Die Murmanbahn ist eine Bahnstrecke im Norden Russlands.

Geografische Lage Die Murmanbahn verläuft von Sankt Petersburg über Murmansk nach Seweromorsk. Die von ihr in der Stadt Kola kurz vor Murmansk nach Petschenga und Nikel abzweigende Strecke ist die nördlichste Bahnstrecke Europas, abgesehen vom Inselbetrieb Erzbahn Kirkenes–Bjørnevatn. mini|links|Kriegsgefangene beim Bau der Murmanbahn, 1916 mini|links|Bahnhof Petrosawodsk mini|links|Empfangsgebäude Medweschja Gora mini|links|Bahnhof Murmansk Technische Parameter Die Streckenlänge beträgt 1448 Kilometer in der russischen Breitspur von 1520 mm. Die Strecke wurde 1939 mit 3 kV Gleichspannung elektrifiziert und 2001 auf 25 kV / 50 Hz Wechselspannung umgestellt.bac/md: Murmansk wieder an das russische Eisenbahnnetz angeschlossen. In: Eisenbahn-Revue International 2020/12, S. 646

Geschichte Die Murmanbahn wurde zwischen 1915 und 1917 im Ersten Weltkrieg erbaut, um die Kaiserlich Russische Armee des Russischen Zarenreichs ganzjährig mit Rüstungsgütern ihrer westlichen Alliierten Großbritannien und Frankreich versorgen zu können. Aufgrund des Zeitdrucks wurde die Strecke möglichst einfach trassiert. Neben russischen Arbeitskräften wurden dabei etwa 60.000 österreichisch-ungarische und deutsche Kriegsgefangene eingesetzt,https://web.archive.org/web/20100201151952/http://biarmia.narod.ru:80/library/doc/zh_d.htmlGeorg Wurzer: Die Kriegsgefangenen der Mittelmächte in Russland im Ersten Weltkrieg. Verlag V&R unipress, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89971-241-4 von denen beim Bau etwa 25.000 umkamen.Markus Rabanser: Die Murmanbahn, S. 13

Während des Zweiten Weltkriegs war die Bahn erneut von größter strategischer Bedeutung, da über sie die Waren der Nordmeergeleitzüge ins Landesinnere und an die Front transportiert wurden (vgl. auch Leih- und Pachtgesetz). Daher erfolgten – größtenteils vergeblich – deutsche Luftangriffe vom Stützpunkt Petsamo durch die so genannten „Eismeerjäger“ (Jagdgeschwader 5) sowie Kommandounternehmungen durch die Spezialeinheit Brandenburg auf die stark durch Flak verteidigte Murmanbahn.

Betrieb Betrieben wird die Murmanbahn von der Oktjabrskaja schelesnaja doroga („Oktoberbahn“): Die Strecke hat große wirtschaftliche Bedeutung, weil der Hafen Murmansk (zusammen mit ein paar benachbarten Buchten) die einzige entsprechende ganzjährig eisfreie Infrastruktur Nordwestrusslands ist und von dort Waren mit der Bahn in zentrale Regionen des europäischen Russland transportiert werden können.

Am 1. Juni 2020 stürzte die 1930 erbaute Brücke über den Fluss Kola ein, 15 Kilometer südlich von Murmansk. Die starke Strömung hatte einen Pfeiler weggerissen; es wurde ein Schienenersatzverkehr zwischen Murmansk und Wychodnoj eingerichtet. Für den Güterverkehr wurde bereits am 19. Juni eine Umleitungsstrecke zum südwestlich von Murmansk gelegenen Hafen Murmashi eröffnet, die Bahnstrecke Wychodnoj–Lawna; ab 24. Juni des Jahres verkehrten auch einzelne Personenzüge nach Murmansk über diese Strecke. Bereits am 28. September 2020 konnte eine neue Brücke mit einer Länge von 158 Metern eingeweiht werden: Sie weist keine Pfeiler im Fluss mehr auf. So konnte die alte Strecke wieder von den Personenzügen benutzt werden.Murmansk wieder an das russische Eisenbahnnetz angeschlossen. In: Eisenbahn-Revue International 2020/12, S. 646

Zukunft Vom Bahnhof Wychodnoj wird eine abzweigende Strecke nach Lawna gebaut, um von dort aus sibirische Steinkohle zu exportieren.Neue Bahnstrecke bei Murmansk. In: Eisenbahn-Revue International 5/2019, S. 262

Der Abschnitt von Olenegorsk bis Murmansk soll bis 2022 zweigleisig ausgebaut werden.

Literatur Н. П. Лагутина, Т. Ю. Набокова, Т. П. Филатова: Атлас Железные Дороги. Omsk 2010. Reinhard Nachtigal: Die Murmanbahn – Die Verkehrsanbindung eines kriegswichtigen Hafens und das Arbeitspotential der Kriegsgefangenen (1915–1918). Verlag Bernhard Albert Greiner, Remshalden 2001, ISBN 3-935383-05-3. Leo Cavaleri: Das Kommandounternehmen „Murman-Bahn“ im Sommer 1942. Soldaten des Lehrregiments Brandenburg z.b.V. 800 sprengen die wichtigste Versorgungslinie der Roten Armee zu den westlichen Alliierten. In: Pallasch. Zeitschrift für Militärgeschichte. Bd. 8 (2004), Heft 18, S. 146–168. Reinhard Nachtigal: Die Murmanbahn 1915–1919 – Kriegsnotwendigkeit und Wirtschaftsinteressen. Verlag Bernhard Albert Greiner, Remshalden 2007, ISBN 3-935383-96-7. Klaus Gestwa: Zum historischen Ort der Murmanbahn. Aspekte der Lager-, Eisenbahn- und Fotogeschichte. In: Evamarie Blattner u. a. (Hrsg.): Der fotografierte Krieg. Der Erste Weltkrieg zwischen Dokumentation und Propaganda. Stadtmuseum, Tübingen 2014 (Tübinger Kataloge; 98), ISBN 978-3-941818-22-4, S. 152–165. Georg Wurzer: Zwangsarbeit für die Murmanbahn. Die Erfahrungen der Kriegsgefangenen. In: Evamarie Blattner u. a. (Hrsg.): Der fotografierte Krieg. Der Erste Weltkrieg zwischen Dokumentation und Propaganda. Stadtmuseum, Tübingen 2014 (Tübinger Kataloge; 98), ISBN 978-3-941818-22-4, S. 166–171.

Weblinks Markus Rabanser: Die Murmanbahn – Eisenbahn im hohen Norden Russlands, aus dem Fern-Express 03/2011 (PDF; 2,5 MB) Hauptmann a. D. Dr. Hildebrandt: Die Murman-Bahn, in: Kölnische Zeitung vom 5. Juli 1928, Morgenausgabe Nr. 364b.

Einzelnachweise

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