Das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württembergisches) Nr. 119 war von 1806 bis 1919 ein Regiment des Württembergischen Heeres. Das Regiment trug den Ehrennamen Königin Olga benannt nach der russischen Großfürstin Olga Nikolajewna Romanowa der Ehefrau von König Karl I.
Geschichte Name mini|hochkant|Fahne des Grenadier-Regiments „Königin Olga“ Nr. 119 (Vorderseite), um 1913
Das Regiment wurde 1806 als Infanterie-Regiment von Schröder aufgestellt und bestand aus den Musketier-Bataillonen von Mylius und Prinz Paul. In der Folgezeit wurde es entsprechend damaligem Brauch nach seinen jeweiligen Inhabern benannt und hieß 1806 Infanterie-Regiment von Phull, 1809 Infanterie-Regiment Prinz Paul. 1810 erhielt es die Regimentsnummer 1. Im Russlandfeldzug 1812 wurde das Regiment ganz aufgerieben. 1813 wurde es mit einer Stärke von ca. 30 Offizieren und 1.400 Unteroffizieren und Mannschaften in zwei Bataillonen neu aufgestellt und durch den Inhaberwechsel an König Friedrich zum Leib-Infanterie-Regiment Nr. 1.
Mit der Militärreform 1817 wurde das 1. Bataillon (Grenadier-Bataillon) des württembergischen Garde-Regiments zu Fuß in das Regiment eingegliedert. Die Bezeichnung Leibregiment fiel weg und das Regiment hieß ab 31. März 1817 schlicht 1. Infanterie-Regiment. Erst durch einen Erlass König Karls vom 19. Dezember 1864 Württ. Regierungsblatt 1811 Nro. 25, 1. Juni, Seite 265: „In der Absicht, die früher bestandene Einrichtung der Benennung der Reiter- und Infanterie-Regimenter wieder ins Leben zu rufen, zugleich auch um ausgezeichnete militärische Verdienste in besonderer Weise zu ehren und zu belohnen, finde Ich Mich bewogen, Folgendes zu verfügen: … 2. Dem 1. Reiter-Regiment und dem 5. Infanterie-Regiment will Ich Meinen Namen, und dem 4. Reiter-Regiment, sowie dem 1. Infanterie-Regiment den Namen Meiner Gemahlin, der Königin Olga Majestät und Libden, verliehen haben.“ wurden die Namen einiger Regimenter erweitert und das 1. Regiment erhielt die Benennung Königin Olga.
Nach Abschluss der Militärkonvention mit dem Norddeutschen Bund vom 21./25. November 1870 erhielt das Regiment wie alle württembergischen Truppenteile zur Unterscheidung von den Truppenteilen anderer deutscher Staaten am 2. Oktober 1871 die Bezeichnung 1. württembergisches Infanterie-Regiment Königin Olga. Am 18. Dezember 1871 erhielten alle Regimenter zusätzliche Nummern. Diese entsprachen der fortlaufenden Nummerierung aller Regimenter des deutschen Bundesheeres, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einem der Kontingente. Das 1. württembergische Regiment erhielt die Nummer 119 und wurde durch einen Namenszusatz als Grenadier-Regiment qualifiziert. Die endgültige Schreibweise und Nummerierung am 14. Dezember 1874 lautete: Grenadier-Regiment Königin Olga (1. Württembergisches) Nr. 119.
Die Tradition des Regiments übernahmen in der Reichswehr die 1. und 2. Kompanie des 13. (Württembergischen) Infanterie-Regiments.
Garnisonen 1806: Stuttgart 1851: Ludwigsburg 1859: Stuttgart 1865–1868: 2. Jäger-Bataillon Ulm
Teilnahme an Gefechten und Kampfhandlungen 1806 auf Seiten Frankreichs gegen Preußen, Stärke 4 Kompanien mit rund 800 Mann. Das Regiment kämpfte vor Glogau, Schweidnitz und Neiße. 1809 auf Seiten Frankreichs gegen Österreich, Stärke 29 Offiziere und rund 1.400 Mann. Das Regiment kämpfte bei Linz und am Pfenningberg. 1812 auf Seiten Frankreichs gegen Russland im Armeekorps Ney, Stärke rund 1.400 Mann. Nach der Schlacht von Borodino wurden die Reste der württembergischen Infanterie in 3 Bataillonen formiert. Im Januar 1813 war das Regiment noch 4 Offiziere, 3 Unteroffiziere und 14 Mann stark. Alle Fahnen wurden jedoch zurückgebracht. 1813 auf Seiten Frankreichs gegen Russland/Preußen im IV. Armeekorps Bertrand, Stärke rund 1.400 Mann. Nach der Schlacht bei Dennewitz wurden die Reste der württembergischen Infanterie in 3 Bataillonen formiert. Alle Fahnen wurden zurückgebracht. an den Feldzügen 1814 und 1815 nahm das Regiment nicht teil. 1848 war das Regiment zur Bekämpfung von Unruhen im Lande eingesetzt. Ein Zug war dabei auch in das Gefecht bei Dossenbach verwickelt. 1866 gegen Preußen, Stärke 39 Offiziere und Fähnriche, 10 Kompanien. Das Regiment kämpfte bei Tauberbischofsheim, dabei fielen 3 Mann. 46 wurden verwundet und 6 gefangen. 1870/1871 gegen Frankreich. Das Regiment gehörte mit einer Stärke von 28 Offizieren und 1.845 Unteroffizieren und Mannschaften zur württembergischen Division in der 3. Armee und kämpfte bei Champigny (21. Oktober) und Villiers (30. November und 2. Dezember), Verluste 188 Gefallene, 367 Verwundete, 78 Gefangene.
Erster Weltkrieg Das Regiment macht am 2. August 1914 mobil und war den gesamten Krieg über an verschiedenen Fronten im Einsatz. Das XIII. (Königlich Württembergisches) Armee-Korps kämpfte zunächst in den Argonnen. Ab 1. Dezember 1914 bildete die 26. Division (1. Königlich Württembergische) und die 25. Reserve-Division (mit unterstelltem württ. Feldartillerie-Regiment 132) das XIII. Korps bei der 9. Armee (Mackensen), in Polen und stieß bei Kozlow an die Bzura vor. Im März 1915 wurde das XIII. Armee-Korps der 12. Armee (Gallwitz) unterstellt und nach Norden nach Przasnysz verlegt. Von Juli bis August war sie am Durchbruch über den Narew beteiligt und erreichte den Njemen. Im September wurde die Division aus der Ostfront herausgelöst, im Bahntransport in den Raum westlich Belgrad verlegt. Am 1. November wurde sie dem XXII. Reserve-Korps (Falkenhayn), 3. österr.-ungar. Armee (Köveß), unterstellt und drang bis Mitte November bis Kraljevo vor. Im Dezember wurden das XIII. Armee-Korps mit der 26. Infanterie-Division und dem Feldartillerie-Regiment „König Karl“ (1. Württembergisches) Nr. 13 wieder an die Westfront in den Raum westlich Ypern verlegt. 1916 war das Regiment im Rahmen der Division in der Schlacht an der Somme eingesetzt.
1917 war die Division in der Schlacht von Arras und in der Zweiten Flandernschlacht eingesetzt. Ab 12. September wurde sie von Zabern in den Raum Klagenfurt verlegt, wo sie am 7. Oktober eintraf, mit der 200. Infanterie-Division dem Generalkommando z. b. V. (zur besonderen Verwendung) 51Württ. Generalleutnant Albert von Berrer, gefallen 28. Oktober 1917, Nachfolger württ. Generalleutnant Eberhard von Hofacker unterstellt und für den Kampf im Gebirge ausgerüstet und ausgebildet wurde. Vom 24. Oktober an war die Division an den Kämpfen in Venetien (Zwölfte Isonzoschlacht und Erste Piaveschlacht) beteiligt und erreichte die Piave, wo sie bis zum 6. Dezember bliebDas Regiment nahm dabei rund 12.000 Mann gefangen und erbeutete u. a. 44 Geschütze, 400 Maschinengewehre, 100 Lkw und 527 andere Fahrzeuge und 800 Pferde.. Danach wurde sie zur Ausbildung hinter der Front in den Raum Molsheim verlegt und kam im März 1918 nach Valenciennes. Während der Deutschen Frühjahrsoffensive 1918 stieß die Division in der Operation Michael bis Beaumont vor und wurde anschließend bei Reims eingesetzt. In den Rückzugskämpfen ging sie auf die Antwerpen-Maas-Stellung zurück, von wo sie nach dem Waffenstillstand von Compiègne zu Fuß den Rückmarsch über Prüm, Linz am Rhein und Ferndorf in den Raum Marburg antrat. Von dort erreichte das Regiment seine Friedensgarnisonen in Stuttgart, wo ab 19. Dezember 1918 die Demobilisierung erfolgte.
Die Gesamtverluste betrugen 3.530 Gefallene und 8.757 Verwundete.
Verbleib Im Januar 1919 gingen Teile zu den württembergischen Sicherheits-Kompanien sowie im Februar 1919 zur Freiwilligen-Abteilung Haas über. Diese gingen im Juni 1919 in den Reichswehr-Schützen-Regimentern 25 und 26 auf.Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 201.
Auftrag Das Regiment hatte den Auftrag, den infanteristischen Feuerkampf zu führen. Im Frieden wurden die Soldaten hierzu an entsprechenden Waffen sowie als Krankenträger ausgebildet.
Organisation Verbandszugehörigkeit Bis 1816 gab es in Württemberg im Frieden keine Großverbände. Solche wurden nur für einzelne Feldzüge zusammengestellt.
Mit der grundlegenden Neuorganisation 1817 wurde das württembergische Heer erstmals auch im Frieden in Großverbände gegliedert. Das Regiment bildete zusammen mit dem 2. Infanterie-Regiment die 1. Brigade in der 1. Division. Im Juli 1849 wurde wieder eine Neugliederung des württembergischen Heeres befohlen. Die Infanterie wurde in nur einer Division (ohne Nummer) zusammengefasst.
Von 1871 bis 1914 gehörte das Regiment zur 51. Infanterie-Brigade (1. Königlich Württembergische) in Ulm, (26. Division (1. Königlich Württembergische), XIII. (Königlich Württembergisches) Armee-Korps, 5. Armee).
Im Ersten Weltkrieg blieb die Friedensgliederung zunächst bestehen. Bei der Umgliederung im Dezember 1914 blieb die 26. (württ.) Infanterie-Division beim XIII. Korps („Korps Fabeck“) bei der 9. Armee (Mackensen). Im Oktober 1917 wurde sie dem Generalkommando z. b. V. (zur besonderen Verwendung) 51 in Italien unterstellt, ab 1918 gehörte sie zur 17. Armee.
Gliederung Bis 1871 bestand das Regiment aus zwei Bataillonen.
Am 15. November 1871 kam das 2. Jäger-Bataillon als Füsilier-Bataillon zum Regiment, am 2. Oktober 1893 wurde das IV. (Halb-)Bataillon aufgestellt.
Am 1. Oktober 1911 wurde eine Maschinengewehr-Kompanie aufgestellt.
Abgaben Am 1. Oktober 1872 wurde die 7. Kompanie zur Aufstellung des III. Bataillons Infanterie-Regiment „Alt-Württemberg“ (3. Württembergisches) Nr. 121 abgegeben. 1873 wurde eine Kompanie zur Aufstellung des III. Bataillons Füsilier-Regiment „Kaiser Franz Josef von Österreich, König von Ungarn“ (4. Württembergisches) Nr. 122 abgegeben. Am 1. April 1897 wurde das IV. (Halb-)Bataillon an das 10. Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 180 abgegeben. Alle diese Abgaben wurden aus dem Regiment wieder aufgestellt.
Bewaffnung und Ausrüstung Hauptbewaffnung 1831 wurden Gewehre mit Perkussionsschloss eingeführt, 1851 das Miniégewehr, ab 1898 der Karabiner 98. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges hatte jedes Infanterie-Regiment 6 schwere Maschinengewehre, Ende 1917 36 schwere und 72 leichte Maschinengewehre.
Uniform 1806: Geschlossener blauer Rock bis zur Taille mit gelben Kragen, Aufschlägen, Rabatten und Achselklappen. Weiße Tuchhosen und schwarze Schuhe und Gamaschen. Schwarzer Raupenhelm mit hohem schwarzem Stutz vorn auf der Raupe, vorn gelbes Schild mit württembergischem Wappen. 1813: Rock wie bisher, aber weiße Litzen an Kragen und Aufschlägen, schwarzer Ledertschako Messingschild und gelben Schuppenketten. 1817: Dienstrock in den Monaten November bis April eine königsblaue Kutka (bis ein Zoll oberhalb der Kniescheibe) mit blauer Schärpe, in den Monaten Mai bis Oktober königsblauer Spenzer (bis an die Hüften), ohne Knöpfe, mit geschlossenem blauem Kragen mit roter Biese und roten Aufschlägen. Eiserne Epauletten mit silbernem Halbmond und blauem Futter aus Tuch. Schwarzes Halsband. Königsblaue, halbweite Hosen (im Sommer weiße Hosen und Gamaschen). Schwarzer Tschako aus Filz mit ledernem Deckel, vorn eisernes Schild mit Regimentsnummer und schwarz-rote Kokarde. Schwarze Bundschuhe (ab 1820 kurze schwarze Gamaschen und Schuhe). Das Lederzeug (unter den Epauletten getragen) war weiß. Hellgrauer Mantel. 1821: Königsblaues Colett mit zwei Reihen gelber Knöpfe (mit Regimentsnummer) vorn, rotem geschlossenem Kragen und blauen polnischen Aufschlägen mit roter Biese. Blaue Hosen mit roter Biese. 1845: Schwarzer französischer Tschako mit weißem Oberrand und dunkelblauem Busch. 1849: Einreihiger blauer Waffenrock mit weißen Knüpfen und rotem Kragen. Achselklappen mit Regimentsnummer.