Als Kommuniongebete werden die der Kommunion unmittelbar vorausgehenden als auch die der Kommunion unmittelbar folgenden Gebete bezeichnet, die in den eucharistischen Liturgien des alexandrinischen (koptischen), antiochenischen (syrisch-orthodoxen), byzantinischen (orthodoxen) und römischen (altkatholischen, römisch-katholischen und anglikanischen) Ritus sowie in der armenisch-orthodoxen Kirche, die neben der Jerusalemer Jakobusliturgie die Anaphora auch in der Form der Basiliusliturgie und der Chrysostomusliturgie kennt, in Gebrauch waren oder es heute noch sind. Auch in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (Altlutheraner) sind vorbereitende Gebete, die um einen würdigen Empfang des heiligen Abendmahls bitten, in Gebrauch.
Liturgiegeschichte Liturgiegeschichtlich gehören die Kommuniongebete in die Kategorie der Privatgebete, die in der Westkirche seit karolingischer Zeit Aufnahme in die Heilige Messe fanden. Im Gegensatz zu den Präsidialgebeten betonen die Kommuniongebete die subjektive, sündhafte und unwürdige Disposition des Empfängers. Die Rezitation erfolgt in der Regel leise durch den Priester.
Die mittelalterlichen Missalien kannten und empfahlen hierfür eine Vielzahl verschiedener Gebete, darunter Reimgebete wie Ave verum, O salutaris hostia oder Anima Christi.Josef Andreas Jungmann SJ: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe. Band 2, Herder Verlag, Wien, Freiburg, Basel, 5. Auflage 1962, S. 431 Anm. 16.
Evangelisch-Lutherischer Ritus Altlutherischer Ritus Nach der Evangelisch-Lutherischen Kirchenagende Band I. der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche werden bis heute in lutherischen Kirchengemeinden folgende Gebete verwandt:
Der Pfarrer betet laut: O Herr, ob ich zwar nicht würdig bin, dass du in mein Herz eingehst, so bin ich doch bedürftig deiner Hilfe und begierig deiner Gnade, dass ich möge fromm und selig werden. Nun komme ich in keiner anderen Zuversicht denn auf dein Wort, da du selbst zu diesem Tisch lädst und sagst mir Unwürdigem zu, ich soll Vergebung meiner Sünden haben deinen Leib und Blut, so ich esse und trinke in diesem Sakrament. O lieber Herr, ich weiß, dass deine göttliche Zusage und deine Worte gewiss und wahrhaftig sind. Daran zweifle ich nicht, und darauf esse und trinke ich; mir geschehe nach deinem Wort. O Herr Jesu, vereinige dich mit mir, dass ich bleibe in dir und du in mir und ich von dir ungeschieden sei, hier zeitlich und dort ewiglich.
Gemeinde:
Amen.
Der Pfarrer betet laut: Dein heiliger Leib, Herr Jesus Christus, speise mich. Dein teures Blut tränke mich. Dein bitteres Leiden und Sterben stärke mich. Deine siegreiche Auferstehung erfreue und tröste mich. Herr Jesus Christus, erhöre mich. In deine heiligen Wunden verberge ich mich. Lass mich nimmermehr von dir geschieden werden. Vom bösen Feind errette mich, im wahren Glauben erhalte mich, dass ich mit allen Auserwählten dich lobe und preise hier zeitlich und dort ewiglich.
Gemeinde: Amen.
Römischer Ritus Alt-katholische Kommuniongebete Nach dem Altarbuch von 1959 waren in der Alt-Katholischen Kirche in Deutschland folgende Kommuniongebete vorgeschrieben, bis sie durch eine Liturgiereform in den 1980er Jahren ersatzlos abgeschafft wurden:
Nach der Kelchkommunion des Priesters (eine Austeilung des Kelches an die Gläubigen war nicht üblich):
In der Ersten Ordnung der heiligen Messe:
In der Zweiten Ordnung der heiligen Messe:
Römisch-katholische Kommuniongebete Nach dem Usus antiquior
Nach dem Missale Romanum von 1970/75
Ostkirchliche Kommuniongebete In den orthodoxen Kirchen lautet die Bezeichnung auch Inklinationsgebete.
Chrysostomosliturgie (Byzantinischer Ritus)
Jakobusliturgie (Jerusalemer Ritus)
Markusliturgie (Alexandrinischer Ritus)
Siehe auch Kommunion Kelchkommunion Heilige Messe Gemeindemesse Tridentinische Messe Messopfer
Weblinks
Weiterführende Informationen
Einzelnachweise
Kategorie:Liturgische Handlung (Heilige Messe) Kategorie:Byzantinischer Ritus