Kalsdorf bei Ilz ist eine Ortschaft und Katastralgemeinde der Marktgemeinde Ilz im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld in der Oststeiermark. Die Ortschaft liegt im Feistritztal nordöstlich des Ortszentrums von Ilz und hat Einwohner (Stand ). Bis Ende 1967 war Kalsdorf bei Ilz eine eigenständige Gemeinde.

Geographie Kalsdorf liegt im oststeirischen Hügelland etwa 2,5 km nordöstlich von Ilz. Benachbarte Siedlungen sind Neudorf bei Ilz im Südwesten und Riegersdorf im Osten. Das Dorf befindet sich im Flussgebiet der Feistritz, die östlich des Orts nach Südosten verläuft. Kalsdorf liegt rund 1,5 km von der Südautobahn A 2 entfernt beim Knoten Riegersdorf mit der Fürstenfelder Schnellstraße S 7.

Geschichte

Ortsname und frühe Siedlung Der Ortsname Kalsdorf geht nach heutiger Forschung auf den slawischen Personennamen Chval zurück, der vom altslawischen Verb chvaliti („loben“, „ehren“) abgeleitet ist und sinngemäß „der Lobenswerte“ bedeutet. Der Ortsname verweist somit auf eine Person dieses Namens als ursprünglichen Siedlungsgründer und auf eine frühe slawische Siedlungsphase im Feistritztal.

Die Entstehung der Siedlung wird daher in das Frühmittelalter im Zusammenhang mit der slawischen Besiedlung der Oststeiermark ab Ende des 6. Jahrhunderts eingeordnet.

Ab dem 8. Jahrhundert setzte eine zunehmende bairische Besiedlung und Integration in das fränkische Herrschaftsgebiet ein. Nach den Feldzügen Karls des Großen gegen die Awaren zwischen 791 und 799 wurde das Gebiet bis zur Raab unter fränkischen Einfluss gestellt.

Hoch- und Spätmittelalter An der Stelle des heutigen Schloss Kalsdorf bestand vermutlich bereits Mitte des 12. Jahrhunderts ein erster Wehrbau, der im Zusammenhang mit der Sicherung der Grenze gegen ungarische Einfälle errichtet wurde. Um 1160 befand sich auf der Anhöhe zwischen dem Ilz- und Feistritztal ein Turm im Besitz von Karl von Hohenberg, einem Ministerialen der Wildoner. Seine Funktion wird mit der Überwachung der nahegelegenen Festung Fürstenfeld in Verbindung gebracht.

Im 13. Jahrhundert gelangte Kalsdorf in den Lehensbesitz der Familie Hager, die mit der Kolonisierung der Umgebung betraut war. Der Turm dürfte zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr bestanden haben, da die Hager auf einem befestigten Gutshof ansässig waren. 1366 ist der Besitz unter Hans Hager als Challenstorf urkundlich belegt, 1443 wird der Ort als Calestorf in Ilczer pharr erwähnt.

Frühe Neuzeit Im 16. Jahrhundert entwickelte sich Kalsdorf zu einem regionalen Zentrum des Protestantismus in der Oststeiermark. 1600 wurde die protestantische Kirche im Zuge der Gegenreformation von einer Reformationskommission zerstört und der Kirchturm gesprengt.

1678 führte ein Hochwasser der Feistritz zu erheblichen Schäden an Gebäuden und landwirtschaftlichen Flächen. Dabei wurden unter anderem Mühlen und Brücken zerstört und der Flusslauf teilweise verändert.

Während der Aufstände unter Franz II. Rákóczi wurde Kalsdorf 1704 von Aufständischen verwüstet und in Brand gesetzt.

Im 18. Jahrhundert kam es im Zusammenhang mit wasserbaulichen Maßnahmen an der Feistritz zu Konflikten zwischen dem Müller Johann Georg Gutscher und der Dorfbevölkerung.

19. und frühes 20. Jahrhundert 1877 wurde auf Initiative der Schlossherrin Czeicke die Freiwillige Feuerwehr Schloss Kalsdorf gegründet. Um 1910 erreichte der Ort mit 216 Einwohnern seinen historischen Höchststand.

Während des Ersten Weltkriegs wurden im Gebiet Entwässerungsarbeiten durch russische Kriegsgefangene durchgeführt.

1926 kam es zur Trennung der bis dahin gemeinsamen Feuerwehr von Kalsdorf und Neudorf. Im selben Jahr wurde ein eigenes Rüsthaus errichtet. In der Zwischenkriegszeit bestand im Umfeld des Landbundes eine paramilitärische Bauernwehr.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Spätestens ab Mitte der 1930er Jahre bestand in Kalsdorf eine Ortsgruppe der NSDAP. Einzelne Einwohner nahmen am Juliputsch in Ilz teil.

Während der Zeit des Nationalsozialismus kam es auch in Kalsdorf zu politischen Verfolgungen. Mehrere Einwohner wurden wegen regimekritischer Äußerungen, Kontakten zu Kriegsgefangenen oder anderer Vorwürfe verhaftet und zu Haftstrafen oder Aufenthalten in Konzentrationslagern verurteilt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden im Ort Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene verschiedener Nationalitäten eingesetzt. 1944 kam es durch einen Luftangriff zu Todesopfern im Ortsgebiet.

Die sowjetische Zwangsarbeiterin Olga Dozenka (* 1924) war ab dem 10. April 1943 in der Schalk Mühle beschäftigt. Gegen Kriegsende soll sie gegenüber dem Ortsbauernführer des Ortes eine Drohung im Zusammenhang mit dem Vorrücken der Roten Armee geäußert haben. In der Folge wurde sie im März 1945 in das SS-Quartier nach Reigersberg gebracht. Am 5. Mai 1945 wurde sie erschossen und ihre Leiche in einem Straßengraben aufgefunden.

Im Zuge des Rückzugs deutscher Truppen wurden am 8. Mai 1945 die Feistritzbrücke sowie die Wehr der Schalk Mühle gesprengt. Am selben Tag erreichte die Rote Armee Kalsdorf.

Zweite Republik 1968 wurde Kalsdorf im Zuge der Gemeindezusammenlegung nach Ilz eingemeindet. In der Folge kam es zu infrastrukturellen Veränderungen, darunter Flussregulierungen an der Feistritz.

1976 wurde das Ziegelwerk im Ort eingestellt. In den 1990er Jahren erfolgte der Neubau eines Feuerwehrhauses.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Schloss Kalsdorf Das Schloss hat einen Arkadenhof. Der älteste erhaltene Trakt wurde 1537 erbaut. Ursprünge einer Wehrburg werden auf das Jahr 1160 datiert.

Bildstock Ein Bildstock im Ortsgebiet wurde 1848 im Zusammenhang mit der Bauernbefreiung errichtet und in den späten 1980er Jahren restauriert.

Mühlenwesen Die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes war stark von der Feistritz und mehreren Mühlen geprägt. Besonders die Schalk Mühle ist seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar. Seit 1859 ist die Mühle im Besitz der Familie Schalk. Sie wurde im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach modernisiert und dient heute auch der Energieerzeugung durch Wasserkraft und Photovoltaik.

Persönlichkeiten Adam von Herberstorff (1585–1629), Reichsgraf, bayrischer Statthalter von Oberösterreich, geboren in Schloss Kalsdorf Georg Lembucher († 1446), Bischof von Seckau, geboren in Kalsdorf Hartmut Skerbisch (1945–2009), österreichischer Künstler, lebte zuletzt im Schloss Kalsdorf

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld Kategorie:Ilz (Steiermark) Kategorie:Katastralgemeinde im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld Kategorie:Ehemalige Gemeinde in der Steiermark Kategorie:Gemeindeauflösung 1967