Herbert John Pulman (* 12. Dezember 1923 in Teignmouth, Devon; † 25. Dezember 1998 in Northampton, Northamptonshire), selten in der Schreibweise John Pullman, war ein englischer Snookerspieler. Der achtfache Sieger der Snookerweltmeisterschaft gilt als einer der bedeutendsten Spieler der Nachkriegszeit.
Pulman startete seine Profikarriere kurz nach dem Gewinn der English Amateur Championship 1946, konnte sich aber erst nach und nach gegen die damalige Weltspitze um Joe Davis und dessen Bruder Fred sowie Walter Donaldson durchsetzen. In den 1950er-Jahren siegte er zweimal beim News of the World Tournament und wurde 1955 und 1956 Vize-Weltmeister, ehe er gegen Jackie Rea die Snookerweltmeisterschaft 1957 gewann. Ein Mangel an Sponsoren, Preisgeldern und öffentlicher Aufmerksamkeit führte aber anschließend dazu, dass die Weltmeisterschaft und das Profisnooker zum Erliegen kamen. Zeitweise war Pulman nur einer von vier Profispielern und lebte weitgehend von kleinen Vorstellungen abseits des Profi-Snookers (Exhibitions). Erst 1964 kehrte die Weltmeisterschaft als Herausforderungsturnier zurück; Pulman als Titelverteidiger trat fortan gegen verschiedene Herausforderer an. In den nächsten vier Jahren verteidigte er sieben Mal erfolgreich den WM-Titel, bevor die Weltmeisterschaft ab 1969 wieder im K.-o.-System gespielt wurde und er seinen Titel verlor.
1970 wurde Pulman noch einmal Vize-Weltmeister, später folgten noch drei Finalteilnahmen bei kleineren Turnieren. Zunehmend glitt Pulman aber in die zweite Reihe ab, die Weltspitze wurde nun von aufstrebenden Spielern wie Ray Reardon, John Spencer und Alex Higgins bestimmt. Nach einer Privatinsolvenz 1979, nachlassender Freude am Spiel und einem schweren Verkehrsunfall 1981 beendete er 1982 seine Laufbahn als aktiver Spieler. Stattdessen intensivierte Pulman seine zweite Karriere als TV-Kommentator, die er bereits in der Spätphase seiner Spielerkarriere gestartet hatte. In den nächsten Jahren kommentierte er diverse Spiele bei Profiturnieren und galt als einer der führenden Snooker-Kommentatoren der damaligen Zeit; beim TV-Publikum war er für seine angenehme, tiefe Stimme beliebt. Nach seinem Tod 1998 wurden Pulmans Leistungen als achtfacher Weltmeister hervorgehoben, als einer der „Gründungsväter des Snookers“ sei er aber vor allem mit daran beteiligt gewesen, den Sport in den schwierigen 1950er- und 1960er-Jahren überhaupt weiterzuführen. 2011 wurde er als eine der ersten Personen in die Snooker Hall of Fame aufgenommen.
Karriere Anfänge John Pulman wurde Mitte Dezember 1923 im kleinen Fischerort Teignmouth im englischen Devon an der Küste des Ärmelkanals geboren. Sein voller Name lautete Herbert John Pulman, selten findet sich für den Nachnamen auch die Schreibweise Pullman. Pulmans Vater gehörte in Teignmouth eine Bäckerei und ein Süßwarenladen. 1929 zog die Familie nach Plymouth um, wo sein Vater eine Billardhalle erwarb, die lediglich aus zwei Billardtischen bestand. Später zog er mit seiner Familie nach Exeter, wo sein Vater einen Snookerclub erworben hatte. Pulman besuchte dort die Exeter Episcopal School und gewann zu dieser Zeit Meisterschaften im Schwimmen und vertrat die Provinz in Wasserballwettkämpfen. Ein weiteres sportliches Hobby war das Billard, das er in einem der Clubs seines Vaters kennengelernt hatte. Zunächst konzentrierte er sich auf das English Billiards, eine damals recht populäre Variante. Seine erste Partie darin spielte er mit neun Jahren, schon drei Jahre später konnte er einhundert Punkte in einer Aufnahme erzielen. 1938 nahm er an den britischen Juniorenmeisterschaften teil. Später spielte er vorrangig Snooker, eine weitere Billardvariante, in der er ebenfalls Talent zeigte.
Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Pulman zeitweise in einer militärischen Flugzeugfabrik für die Produktion der Supermarine Spitfire. Einige Zeit war er auch als Beamter in der Inland Revenue tätig, einer britischen Steuerbehörde. Danach konzentrierte er sich wieder auf seine sportliche Karriere. Als damals noch weitgehend unbekannter Snookerspieler gewann er 1946 gegen Albert Brown die English Amateur Championship. Mit 22 Jahren war er der bis dahin jüngste Turniersieger in der Geschichte der Meisterschaft. Anschließend ermutigte ihn der damals führende Snookerspieler Joe Davis, Profispieler zu werden. Davis war nicht nur Pulmans Vorbild, sondern vermittelte dem jungen Spieler auch den Kontakt zu dem Bristoler Bäcker und Süßwarenhändler Bill Lampard, der Pulman einen Sponsorenvertrag anbot. Pulman durfte so in Lampards Haus einziehen und das dortige Billardzimmer als Trainingsort nutzen. Zu seinem ersten Manager wurde der spätere langjährige TV-Kommentator Ted Lowe. Mit diesem Rückhalt wurde Pulman noch 1946 Profispieler. Neben Albert Brown und Rex Williams war er damals einer der wenigen neuen Profispieler. Brown wechselte zusammen mit Pulman ins Profilager, Williams folgte wenige Jahre später. Im Rahmen der Ausgabe 1947 debütierte er bei der professionellen Snookerweltmeisterschaft, verlor aber sein Auftaktspiel gegen Albert Brown. Kurz danach entwickelte er eine Sehschwäche, weshalb er fortan beim Spielen eine Brille tragen musste.
1950er und 1960er: Weltspitze und Weltmeister
Das damalige Profisnooker bestand im Wesentlichen aus der Snookerweltmeisterschaft sowie vereinzelten anderen Turnieren. Insgesamt war die Anzahl der Profiturniere damals aber deutlich geringer als in modernen Zeiten, auch die Zahl der Profispieler war wesentlich kleiner. Bald gelangen Pulman erste Erfolge: 1948 wurde er Zweiter beim Sunday Empire News Tournament, in den 1950er-Jahren gewann er zweimal das News of the World Tournament, zweimal belegte er Platz zwei. Bei der Weltmeisterschaft schied er viermal im Halbfinale des Turnieres aus und kam dann 1955 und 1956 bis ins Finale, wo er dem damals dominierenden Spieler Fred Davis unterlag. Als Davis an der Ausgabe 1957 nicht teilnahm, konnte Pulman im dritten Anlauf mit einem Sieg über den Nordiren Jackie Rea doch noch das WM-Endspiel gewinnen und wurde so professioneller Snooker-Weltmeister. War er davor hinter Fred Davis und dem zweifachen Weltmeister Walter Donaldson noch Teil der zweiten Reihe des Profisnookers, so gelang ihm mit dem WM-Gewinn endgültig der Durchbruch in die damalige Weltspitze, zumal Donaldson etwa zeitgleich seine Karriere beendete.
Pulmans Sprung an die Weltspitze fiel jedoch in eine Zeit, in der das Profisnooker an einem historischen Tiefpunkt angekommen war. Durch mangelndes öffentliches Interesse und fehlende Sponsoren kam der aktive Spielbetrieb zum Erliegen; laut der Datenbank CueTracker wurde von 1959 bis 1963 nicht ein einziges Profiturnier ausgetragen. Selbst die Weltmeisterschaft wurde nach der Ausgabe 1957 zunächst eingestellt, sodass Pulman mehrere Jahre lang amtierender Weltmeister blieb, ohne ein Spiel bestreiten zu müssen. Tatsächlich war er nur noch einer von vier verbliebenen Profispielern, neben Fred Davis, Jackie Rea und Rex Williams, einem auch im English Billiards profilierten, aufstrebenden Engländer. Keiner von ihnen konnte unter diesen Verhältnissen vom professionellen Snooker leben. Einnahmen generierten nur kleinere Vorstellungen, sogenannten Exhibitions, die sie im ganzen Land und besonders in den britischen Ferienresorts vor Publikum gaben. Erst 1964 wurde die Weltmeisterschaft in einem Herausforderungsmodus wiederbelebt, bei dem Pulman als Titelverteidiger gesetzt war.
Innerhalb der nächsten vier Jahre wurde Pulman insgesamt siebenmal von verschiedenen Spielern um den Weltmeistertitel herausgefordert und konnte jedes Spiel gewinnen. Jeweils einmal siegte er gegen den unbekannten Südafrikaner Freddie van Rensberg und den aufstrebenden Australier Eddie Charlton. Zwei weitere Male unterlag ihm Rex Williams als Herausforderer. Eine der Partien gegen Williams wurde als Tournee durch Südafrika ausgetragen, deren Spiele in der lokalen Bevölkerung häufig wenig Aufmerksamkeit bekamen. Eines der geplanten Spiele ersetzten Davis und Williams deshalb einvernehmlich durch einen Münzwurf. Insgesamt dreimal siegte er in dieser Zeit gegen Fred Davis, der später als sein „größter Rivale“ galt. Besonders das zweite Aufeinandertreffen der beiden im März 1965 im Modus Best of 73 Frames war eine knappe und ausgeglichene Partie, an deren Ende Davis mit 36:35 in Führung lag. Pulman konnte jedoch die nächsten beiden Frames für sich entscheiden und so seinen Titel doch noch verteidigen. Später würdigte Pulman Davis öffentlich als „größten Wettkämpfer“ des damaligen Snookers. Trotz seiner nun acht Weltmeistertitel verdiente Pulman nie ansatzweise so viel wie ein vergleichbarer Spieler der modernen Zeit, zumal er auch nicht an anderen Profiturnieren teilnehmen konnte, da sich das damalige Profisnooker immer noch weitgehend auf die Weltmeisterschaft beschränkte.
Zweite Reihe in den 1970er-Jahren und Karriereende 1982
Der Umbruch im professionellen Snooker hin zu modernen Verhältnissen setzte ab 1969 ein, unterstützt durch verschiedene Faktoren wie dem Start der beliebten BBC-Snookerturnier-Serie Pot Black. Mehr mediale und öffentliche Aufmerksamkeit führten nicht nur zu mehr Turnieren und höheren Preisgeldern, sondern auch zu neuen Profispielern. 1969 kehrte auch die Weltmeisterschaft ins übliche K.-o.-System zurück. Die Modusänderung hin zu einem größeren Turnier mit mehr Teilnehmern und mehr Spielen war durch den Einstieg der Zigarettenmarke Player’s No. 6 als Turniersponsor möglich geworden. Das Unternehmen hatte zuvor schon Pulmans WM-Duell mit Eddie Charlton und eine Exhibition-Tour mit Pulman finanziert, was die Marke vom finanziellen Einstieg in die Snookerweltmeisterschaft überzeugt haben soll. Bei der ersten WM-Austragung im alten Format, der Snookerweltmeisterschaft 1969, verlor Pulman gegen John Spencer schon sein Auftaktspiel im Viertelfinale und damit auch seinen Weltmeistertitel. Bei der Ausgabe des nächsten Jahres erreichte er zwar noch einmal das WM-Finale, unterlag aber dem Waliser Ray Reardon, der somit seinen ersten von insgesamt sechs WM-Titeln gewann. In den nächsten Jahren zeigte sich immer deutlicher, dass Pulman unter den sich wandelnden Verhältnissen nicht mehr so dominierend wie in den 1960er-Jahren war und nur noch schwer mit den neuen aufstrebenden Spielern wie Spencer, Reardon und Alex Higgins mithalten konnte. Ein Unfall im Oktober 1972 schränkte zudem Pulmans Spiel für einige Zeit ein, auch wenn er sich von den Verletzungen nach und nach erholen konnte.
In den nächsten Jahren prägten deshalb häufig Achtel- und Viertelfinalniederlagen Pulmans Resultate. Bei der Weltmeisterschaft stand er bei der Ausgabe 1977 noch ein Mal in einem WM-Halbfinale und konnte die Partie gegen John Spencer sogar lange offenhalten. Am Ende verlor er aber mit 16:18 und verpasste so einen weiteren Finaleinzug. Bei den mittlerweile etablierten anderen Profiturnieren konnte er nach 1970 immerhin noch dreimal ein Endspiel erreichen, verlor aber jeweils. Zu diesen neuen Turnieren gehörten zum Beispiel der Pot Black oder das Masters, die Pulman somit nie gewann. Auf der Mitte der 1970er eingeführten Snookerweltrangliste belegte er ebenso nie einen der vorderen Plätze, wenngleich er während der 1970er stets in den Top 16 geführt wurde. Seine beste Platzierung war Rang 7 während der Saison 1977/78. Unterdessen hatte Pulman, der in der Snooker-Welt auch unter dem Spitznamen Pully bekannt war, mehrmals an den Pontin’s-Amateurturnieren wie den Pontins Spring Open teilgenommen. Dabei handelte es sich um in den Ferienresorts des Unternehmens ausgetragene Amateurturniere, die meist auch Profispielern offen standen. Aber auch hier gelang ihm nie ein nennenswerter Erfolg. Nebenher beteiligte er sich über den professionellen Weltverband World Professional Billiards & Snooker Association (WPBSA) an der Organisation des Sportes.