mini|Porträt von Foto Kossak, Budapest mini|Dienstausweis als Hauptmann und Kommandant des 1. Jägerbataillons 1920

Pál Prónay von Tóth-Próna und Blatnicza (ungarisch: tótprónai és blatniczai Prónay Pál Sándor István Gábor, * 2. November 1874 in Romhány, Komitat Nógrád, Ungarn; † 1947 oder 1948 wahrscheinlich in einem sibirischen Gulag, nach früherer Annahme zwischen Dezember 1944 und Februar 1945Józef Botlik: The Fate of Western Hungary 1918–1921. Buffalo o. J., S. 92, Anm. 216, Originaltitel Nyugat-Magyarország sorsa 1918–1921, Vassilvágy, 2. Auflage 2008.) war ein ungarischer Offizier, Politiker und selbsternannter Banus des 1921 von ihm ausgerufenen Separatstaates Lajtabánság („Leitha-Banat“) auf dem Territorium des nach dem Ersten Weltkrieg errichteten österreichischen Bundeslandes Burgenland (s. a. Landnahme des Burgenlandes). Als Kommandant von Guerillatruppen und Todesschwadronen werden ihm zahlreiche Verbrechen zur Last gelegt. Prónay gilt als Inbegriff des Weißen Terrors in Ungarn.

Leben Kindheit und Jugend Herkunft Baron Pál Prónay entstammte einer nordungarischen, liberalen und kulturinteressierten Familie, eine der ältesten Adelsfamilien Ungarns.Die Angehörigen des betreffenden Familienzweiges waren seit dem späten 18. Jahrhundert Barone. Nachgewiesen sind die Prónays seit 1279, ein Teil von ihnen ist seit dem 16. Jahrhundert von Bedeutung für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn Pál Prónays Familienzweig bestand aus reichen Grundbesitzern.Bodó, Prónay, S. 4 ff.; ders., White Terror, S. 141; Fogarassy, EPA 1986, XL, 1, S. 24. Seine Eltern waren der ehemalige Offizier, Gutsbesitzer und Hobbykomponist István Prónay und Maria Almásy von Zsadány und Törökszentmiklós. Er hatte fünf oder sechs Brüder und zwei oder drei SchwesternLaut Genealogie-Websites wie geni, geneall und familysearch kann es sich um bis zu neun Geschwister handeln (Seiten jeweils mehrfach abgerufen). Zur Familiengeschichte siehe auch und war das jüngste Kind, das ein höheres Alter erreichte.

Schulzeit Seit seinem zwölften Lebensjahr besucht er das renommierte Lähne-Institut in Sopron. Die Schule verfügte über einen modernen Lehrplan, die Unterrichtssprache war überwiegend Deutsch. Die meisten Schüler gehörten der Mittelschicht an, wenige dem niedrigen Adel wie die Horthys, Aristokraten wie Prónay waren selten. Zwei Brüder Miklós Horthys waren seine Schulkameraden, was seine spätere Karriere beförderte.

Die Schule hatte den Ruf, Besserungsanstalt für schwierige Schüler der Oberschicht zu sein. Daher ist nicht auszuschließen, dass die Eltern die Schule nicht nur wegen des Profils, der im Vergleich etwa zum noblen Wiener Theresianum erschwinglichen Kosten und der Karrierechancen wählten, sondern dass bei ihm Verhaltensauffälligkeiten aufgetreten gewesen sein könnten.Fogarassy, Paul Prónays Erinnerungen, S. 2; Bodó, Prónay, S. 6 f.; A soproni Laehne-féle nyilavánossági joggal biró gymnasium értesítője az 1890/91-iki tanevról. Sopron 1891, S. 56–68 (Schülerliste und -statistiken, Lehrstoff, Fächer); Erich Körner-Lakatos, Horthy Miklós, Münster 2015, S. 18 und Informationen zur Schule S. 19 ff sowie S. 23 Anm. 33, die mit den Angaben in Bodó, Prónay abgeglichen werden müssen. Schlag, Burgenland, Paul Pronay S. 244.Ildikó Németh: Der Einzugsbereich einer westungarischen Schulstadt um die Jahrhundertwende. In: Forscher – Gestalter – Vermittler. Festschrift Gerald Schlag (= Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland. Band 105). Eisenstadt 2001, ISBN 3-85405-142-5, S. 253–267, hier S. 257 f (). A soproni Laehne-féle nyilvánossági joggal biró gymnasium értesítője az 1890/91-iki tanévről. Sopron 1891, S. 52 ff. Zum Familienarchiv: Pronay bei Radixforum.com, abgerufen am 2. Februar 2017.

Militärkarriere bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Ausbildung und Wirken als Reserveoffizier Prónay schlug 1892 die militärische Laufbahn ein. Entsprechend Herkunft und Familientradition diente er zunächst, wie seine beiden Brüder Gyula und Mihály zuvor, bis 1911 oder 1912 im 11. k. u. k. Husarenregiment in Szombathely. Ab 1912Militärschematismus 1912, Wien 1911, S. 730 und Militärschematismus, 1913, Wien 1912, S. 772 diente P. mit Unterbrechungen im prestigeträchtigeren 13. k. u. k. Jaszkún-Husarenregiment in Kecskemét bis zu dessen Auflösung. Noch in der Bestätigung seiner ersten Entlassung 1921 wurde er als Husar bezeichnet.Bodó, Prónay, S. 6 ff.; Fogarassy, Paul Prónays Erinnerungen, S. 2; Magyarhonved-Blog. Er besuchte die Franz-Josef-Militäranstalt oder die Ludovika-Akademie in Budapest.Fogarassy, Paul Prónays Erinnerungen, S. 2 und 9; EPA 1986, XL, 1, S. 24; Magyar Életrajzi Lexikon MEK (Weblinks). Es gibt in der Literatur unterschiedliche Angaben, in welcher Institution Prónay diente, was womöglich auf deren räumliche Nähe und Verwechslungen zurückzuführen ist.

1898 oder 1899 – nach anderen Angaben schon 1896Fogarassy 1986 und 1990 behauptet, Prónay habe 1896 bis 1900 das Anwesen seiner Eltern bewirtschaftet, Schlag 1991 für denselben Zeitraum ein Familiengut. – verließ er die Armee und versuchte ein bis zwei Jahre einem seiner Brüder auf dessen Gut in Kis Zellő nordöstlich von Balassagyarmat, später Alsózellő (heute Malé Zlievce in der Slowakei) zur Hand zu gehen.Bodó, Prónay, S. 8 bzw. 6 (Auflistung eines Teils seiner Geschwister). Möglicherweise wurde aber auch seine Arbeitskraft nach dem Tod seines Vaters am 29. Juli 1898 von seiner Familie benötigt.Bodó, Prónay, S. 8; Prónay István. In: Nógrád Megyei Múzeumok Évkönyve. Band 22, 1998, S. 25 (Kurzvita des Vaters).

1900 oder 1901 trat er wieder in die Armee ein. In den Ausgaben des Militärschematismus für 1900 und 1901 ist er als Leutnant der Reserve eingetragen.Schematismus für das kaiserliche und königliche Herr und für die kaiserliche und königliche Kriegs-Marine, Erscheinungsort jeweils Wien: Ausgabe 1900 (Stand 6. Dezember 1899), S. 725, Ausgabe 1901 (Stand 2. Dezember 1900), S. 733. Laut Haberman trat er am 1. November 1902 in das 11. Husaren-Regiment als Leutnant ein. Im Jahr 1909 wurde er mit fast 35 Jahren zum Oberleutnant/föhadnagy der Kavallerie befördert, was andere mit 26 Jahren erreichten. In der Folgezeit unternahm er mehrere Reisen und wurde 1913 zu einer Weiterbildung nach Wien entsendet, im gleichen Jahr reiste er in offiziellem Auftrag nach England und Belgien.Fogarassy, Paul Prónays Erinnerungen, S. 2; Bodó, Prónay, S. 8; Haberman, Prónay, S. 226, mit jeweils leicht abweichenden Angaben, siehe auch den Militärschematismus 1908 (Stand 28. November 1907), S. 700, Militärschematismus 1900, S. 667. So gibt Schlag, Burgenland 1991, Artikel Paul Pronay, S. 244, abweichend an, Prónay sei 1900 in ein Artillerieregiment eingetreten und später in das Husarenregiment 13. Anscheinend kam er erst 1902 vom Reserve- in den Aktivstand. Siehe Fogarassy, EPA 1986, XL, 1, S. 24.

Erster Weltkrieg Den Ersten Weltkrieg begann er als Oberleutnant; im November 1914 wurde er zum Hauptmann der Kavallerie bzw. Rittmeister befördert (ungarisch ). In seinem im August 1919 gestellten Ansuchen zur Beförderung zum Oberstleutnant () gab er an, 36 Monate an der Front gewesen zu sein, was den Angaben in seinen Tagebüchern zumindest zum Teil widerspricht.

Am 1. August 1914 kam er mit seinem Regiment an die serbische Front und erlitt bei Šabac einen Lungenschuss. Er kämpfte ab 1915 in Russland und Bessarabien. Im März 1915 erhielt er vom Kaiser das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration für Tapferkeit vor dem Feind. Am 2. August 1916 erkrankte er und blieb bis 2. Jänner 1917 im Krankenhaus. Er ersuchte um Versetzung in das mehrheitlich rumänischsprachige 64. k. u. k. Infanterieregiment, wahrscheinlich wegen der sinkenden Bedeutung der Kavallerie. Mit diesem Regiment war er an der russischen und italienischen Front. Die letzten Kriegsmonate verbrachte er an der italienischen Front (laut Schlag am Piave), wo er einige der blutigsten Schlachten miterlebte, darunter die Zweite Schlacht am Piave. Nach seinem 40. Geburtstag wurde er nicht mehr befördert, er blieb Hauptmann/Rittmeister.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges Als die österreichisch-ungarische Monarchie im Oktober/November 1918 zerfiel, hielt sich Prónay in Wien auf. Er konnte sich mit der Niederlage seines Landes nicht abfinden. Anfang November kehrte er nach Kecskemét zu seinem alten Husarenregiment zurück. Wie viele Offiziere hatte er eine ambivalente Haltung zu den Umwälzungen und wie die Mehrheit der Offiziere war er zunächst bereit, das neue, demokratische Regime zu tolerieren. Am 1. November 1918 wurde er zum Major/Örnagy nominiert, wegen der Umwälzungen in Wien wurde der Akt jedoch nicht unterzeichnet. Seine Beförderung zum Major und dann zum Oberstleutnant/alezredes erfolgte erst später als Konterrevolutionär gegen das Regime Béla Kuns.

Als die revolutionären Soldaten ihre neuen Kommandanten wählten, fiel er durch, als ihn ein persönlich bekannter Offizier ungewöhnlicher Grausamkeit bezichtigte (den er im Herbst 1919 als angeblichen Kommunisten hinrichten ließ). Prónay musste daraufhin den Stützpunkt verlassen und in eine Wohnung ziehen. Im Dezember verließ er nach der Auflösung seiner Einheit Kecskemét und wandte sich von der Demokratie zunehmend ab, während Schlag – dem die Tagebuchaufzeichnungen noch nicht zur Verfügung standen – ihn als entschiedenen Gegner revolutionärer Strömungen von Anfang an bezeichnete, insbesondere des „Roten Wien“. Prónay spielte mit dem Gedanken, als Rancher nach Mexiko oder Argentinien zu gehen oder Gutsverwalter eines Cousins in seinem Geburtsort werden, die Familie entschied sich aber für zwei andere arbeitslose Verwandte.

Dank seiner Verbindungen erhielt er bald einen Posten beim Bundesinspektorat für Pferde, das dem Militärkommando in Budapest unterstand, bei dem er Pferde aus der Landwirtschaft für die Armee requirierte, vorzugsweise von jüdischen Gutsherren. Obwohl er schon damals Verbindungen zu konterrevolutionären Kreisen hatte, setzte er in der Räterepublik seine Tätigkeit fort und war kein Feind des Kun-Regimes. Gut sichtbar trug er ein rotes Abzeichen, angeblich zur Täuschung der Linken. Die Stelle nutzte er auch zur persönlichen Bereicherung; seinem Bruder Mihály schickte er Anfang 1919 zwei Pferde als „Ersatz“ für zwei im Krieg verlorene Pferde. Seine Hauptsorge während der frühen Räterepublik war aufzufliegen, zumal er Glücksspieler war und sich trotz Prohibition Alkohol beschaffte.

Seine Spareinlagen in Höhe von über 60.000 Kronen bei einer jüdischen Bank, ein kleines Vermögen, wurden eingezogen. Die Angst vor einem weiteren Abstieg, die wahrscheinlich unbegründete Befürchtung, polizeilich überwacht zu werden und dass er als Baron in einem roten Ungarn keine Zukunft habe, veranlassten ihn, am 6. Mai 1919 Budapest zu verlassen. Er legte ein Attest des Arztes vor, eine Badekur absolvieren zu müssen, und reiste nach Wien aus. Statt den Machtbereich Kuns fluchtartig zu verlassen, besuchte er bei der Ausreise Bekannte. Er war damals nicht bestrebt, das Regime zu bekämpfen, und hatte sich schon früher durch ärztliches Attest Invalidität bescheinigen lassen.

In Wien war Prónay einer von vielen arbeitslosen Offizieren, die ihre Dienste dem Meistbietenden verkauften, und fand Anschluss an konterrevolutionäre ungarische Emigrantenkreise. Er dachte erneut daran, nach Lateinamerika zu gehen, als ihn ein antisemitischer ehemaliger Kamerad auf versammelte konterrevolutionäre Offiziere in Szeged aufmerksam machte (Weiße Nationalarmee unter Horthy und Gömbös, die unter dem Schutz der französischen Besatzungstruppen agierten) und reiste über Jugoslawien dorthin.Bodó, Prónay, S. 10 ff.; Fogarassy, EPA, 1986, XL, 1, S. 24; Schlag, Burgenland, Artikel Paul Pronay S. 244; Mad Monarchist-Blog, Prónay.

Aufstieg zum Freischärlerkommandanten