mini|Einreihiges Herrensakko (Dreiknopf) mini|Jackett in Maßanfertigung mit handpikierter Ganzeinlage mini|Einreihiges Herrenanzugsakko mit zusätzlicher Billetttasche und Handkante verziert mini|Schneideratelier Charvet, Paris Place Vendôme, mit Stoffvorräten, Schnittmustern und fertigen Produkten

Das oder der Sakko – auch: Sacco oder Jackett, in der Schweiz auch Veston, TschoopeSchweizerisches Idiotikon: Tschoope/Schoope (Wortgeschichte), abgerufen am 6. Juli 2024., KittelSchweizerisches Idiotikon: Chittel, abgerufen am 6. Juli 2024. oder KutteSchweizerisches Idiotikon: Chutte, abgerufen am 6. Juli 2024. – ist ein Bestandteil der modernen, in den westlichen Ländern aufgekommenen Herrenoberbekleidung. Es bedeckt wie jede Jacke Oberkörper und Arme. Maßgebliche Elemente sind das Fasson, wie der als Revers ausgeführte Kragen bezeichnet wird, sowie der Verschluss auf der Vorderseite mit Knöpfen.

Begriff Sakko und Jackett werden in der Herrenmode seit dem späten 20. Jahrhundert weitgehend synonym verwendet.Bernhard Roetzel: Blazer, Sakko, Jackett – Was sind die Unterschiede? stylebook.de, 29. Oktober 2018. Gelegentlich wird als Unterschied angeführt, dass sich Jackett auf eine Anzug-Jacke beziehen würde, also Jackett und Hose sowie gegebenenfalls auch die Weste aus demselben Stoff gefertigt und getragen würden, während das Sakko zu einer Hose in abweichender Farbe als Kombination getragen würde oder einer weniger formellen Hose wie einer Chino oder Jeans. Sakko entspricht in diesem Sprachgebrauch dem englischen sports jacket.

Historisch entstanden die Begriffe Sakko und Jackett mit zwei Traditionslinien, die sich zum heutigen Kleidungsstück vereinigten. Das Jackett wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als sportliche Variante aus einem um die Schöße gekürzten Gehrock entwickelt,Ruth Sprenger: Die hohe Kunst der Herrenkleidermacher – Tradition und Selbstverständnis eines Meisterhandwerks. Böhlau Verlag, 2009, ISBN 978-3-205-77757-1, S. 206. der aber dessen Taillierung behalten hatte. Der Begriff stammt aus dem Französischen von jacquette für eine kurze oder leichte Tunika.Fashionary: Fashionpadia – The Visual Dictionary of Fashion Design, Fashionary International 2018, ISBN 978-988-13547-6-1, S. 33 Dem stand das gerade, sackartig geschnittene Sakko gegenüber, das zunächst für die Arbeiterklasse entwickelt wurde,Claudia Besserdich: Sakko, Jackett oder Blazer? Was sind die Unterschiede? Wann trägt man was? herrensache.com, 19. September 2018. und das als sacco aus dem italienischen Sprachraum stammte.Baron Hermann-Martens von Eelking: Lexikon der Herrenmode. Musterschmidt-Verlag, Göttingen 1960, S. 388

Von Sakko und Jackett ist in der Herrenmode der Blazer zu unterscheiden, während in der Damenoberbekleidung alle von der Herrenjacke abgeleitete Teile als Blazer bezeichnet werden können.

Materialien Traditionell ist das Sakko aus Schurwolle. Im 21. Jahrhundert kommt auch eine Beimischung von höchstens 5 % einer Kunstfaser wie Elastan in Betracht, durch die das Tuch flexibler und knitterärmer wird. Weitere Naturfasern sind Baumwolle oder Leinen. Beide eignen sich vor allem für Sommer-Sakkos. In dieser Jahreszeit kommen auch leichte Wollformen wie Mohair und Kaschmir zum Einsatz. Im untersten Preissegment gibt es auch Sakkos aus Kunstfasern, vor allem aus Polyester, oder Mischgewebe aus Naturfasern und Polyester.

Schnitt und Formen Das Sakko ist das schwierigste Element in der Arbeit eines Schneiders.Ruth Sprenger: Die hohe Kunst der Herrenkleidermacher – Tradition und Selbstverständnis eines Meisterhandwerks. Böhlau Verlag, 2009, ISBN 978-3-205-77757-1, S. 221 f. Die Aufgabe besteht darin, das flache Tuch über den dreidimensionalen Körper des Menschen zu modellieren. Brust, Kragen und Ärmel müssen zusammen und zum Träger passen. Körperform und -haltung bestimmen die so genannte Balance, den Längenunterschied zwischen Front und Rücken.Matthias Becker: Atelier – Fachwissen Tailormade. Herausgeber Deutsche-Bekleidungs-Akademie, Rundschau Verlag 2010, ISBN 978-3-929305-38-8, S. 13.

Traditionell wurden Sakkos vom Maßschneider für den individuellen Kunden angefertigt. Die Konfektion nach vorbestimmten Konfektionsgrößen begann schon mit Manufakturen und ihrer seriellen Fertigung im späten 18. Jahrhundert und gewann mit den Massenheeren im 19. Jahrhundert an Verbreitung bei Uniformen. Ab Ende des 19. Jahrhunderts setzte sie sich auch für zivile Bekleidung schrittweise durch. Eine Mischmethode ist die Maßkonfektion, bei der aufgrund einer individuellen Vermessung des Kunden und nach seinen persönlichen Wünschen vorgefertigte Schnittmuster nur noch geringfügig angepasst werden.

Elemente Sakkos bestehen aus den Teilen Front, Seite, Rücken, Ärmeln und Kragen. Front und Seite können auch in einem ausgeführt sein. Die Front ist tailliert, das zugeschnittene Material weist einen spitzen Einschnitt auf, der etwa auf Höhe der mittleren Brust beginnt und hinunter bis zur Tasche verläuft. Er wird im Zuge der Fertigung mit einer Naht geschlossen, so dass der Stoff trotz unterschiedlichem Umfang über Brust und Taille flach anliegt.

Die Front wird im traditionellen Sakko durch Einlagen verstärkt, um auch bei leichten Stoffen einen stets faltenfreien Sitz zu erreichen.Ruth Sprenger: Die hohe Kunst der Herrenkleidermacher – Tradition und Selbstverständnis eines Meisterhandwerks. Böhlau Verlag, 2009, ISBN 978-3-205-77757-1, S. 121–125. Üblich ist eine Ganzeinlage über die volle Front einschließlich des Revers und ein zusätzlicher Plack im Bereich von Brust und Schulter. Dazwischen kann noch eine so genannte Schulterstütze eingearbeitet werden, die die Hohlung der Schulterpartie verstärkt. Traditionell war die Ganzeinlage aus Steifleinen oder Rosshaar, die Plack aus Rosshaar. Beide wurden durch Pikieren mittels unzähliger feinster Stiche mit dem Obermaterial verbunden. In der Serienfertigung wird das Pikieren seit den 1960er Jahren fast immer durch Verkleben mit Fixierstoff ersetzt.Florian S. Küblbeck: Anatomie des Sakkos: Die Front. Auf: stilmagazin.de, 7. Juli 2010. Dazu kommt je nach Schnitt oder auch zum Ausgleichen der persönlichen Anatomie des Kunden ein flaches oder dickes, steifes oder leichtes Schulterpolster aus vorgefertigten Elementen oder Wattierung.Florian S. Küblbeck: Anatomie des Sakkos: Die Schulter. Auf: stilmagazin.de, 28. Juli 2010.

1975 kreierte Giorgio Armani das „dekonstruierte“ Sakko, das auf jede Verstärkung der Front und der Schultern verzichtet und die Form ausschließlich durch den Schnitt sowie gegebenenfalls durch Formbügeln des Tuchs erreicht.Men's Folio: 40 years of Giorgio Armani : A tribute to the “unconstructed” jacket, 30. April 2015. Dieser Stil wurde durch den von Armani ausgestatteten Richard Gere im Film American Gigolo von 1980 international bekannt.Eva Karcher: Giorgio Armani: Kosmos der Klarheit und Harmonie. In: Tagesspiegel, 18. Oktober 2000. Armani stattete in der Folge die Fernsehserie Miami Vice aus und schuf einen als typisch italienisch angesehenen Look.Max Walbersdorf: Die Qualität beim Anzug – darauf muss Mann achten. Auf: GQ – Gentlemen’s Quarterly, Februar 2018. Dekonstruierte Entwürfe werden seitdem viel bei Sommer-Sakkos aus Baumwolle oder Leinen verwendet.

Stile mini|Einreihiges und zweireihiges Sakko Es wird unterschieden zwischen dem traditionellen einreihigen (Knöpfe in einer Reihe) und dem zweireihigen Sakko (übergeknöpft, das heißt überlappende Fronten mit Knöpfen in zwei Reihen). Zweireiher haben fast immer einen geraden Abstich, während Einreiher, außer bei Uniformen, mehrheitlich mit rundem Abstich geschnitten sind.

Abhängig von der Tiefe der Fasson bestimmt sich die Zahl der Knöpfe. Sakkos mit zwei Knöpfen gelten als konservativ und als amerikanisch, solche mit drei Knöpfen werden mit dem englischen Schnitt verbunden. Bei einer kurzen Fasson können aber auch vier und mehr Knöpfe in Betracht kommen.

mini|Ein fallendes Revers Das Revers erlaubt einige Variationen. Neben der Form aus fallendem oder (gebrochen) aufsteigendem Revers beziehungsweise einem Schalkragen bestimmt die Breite des Revers stark das Erscheinungsbild des Sakkos.

Je höher der Ärmel in das Sakko eingesetzt ist, umso mehr Bewegungsfreiheit hat der Träger, zugleich muss die Schulter aber dem Körper und der Haltung exakt passen. Bei Konfektionssakkos sind hier Abstriche zu machen. Für das Einhängen des Ärmels in die Schulter gibt es verschiedene Optionen: Flache oder flach abfallende Formen sind die häufigste Art. Roped, ein britischer Stil, heißen Schultern, bei denen der Ärmel durch eine eingearbeitete Schnur deutlich über die Schulter aufragt, in Verbindung mit einer einwärts geschwungenen Schulterlinie kommt eine Pagodenschulter zustande. Besonders leichte Stoffe können in der neapolitanischen Schulter verarbeitet werden, auch spalla camicia genannt, hier wird der Stoff der Armkugel wie bei einem Hemd mit kleinen Fältchen in die Schulter eingefügt.Hugo Jacomet: Signals of a Handmade Suit: A Shoulder That Sings. Parisian Gentleman, 16. April 2013.

Bei den Rückenschlitzen unterscheidet man zwischen dem mittleren Rückenschlitz (amerikanischer Schnitt) oder dem klassischen Schnitt mit zwei Seitenschlitzen (englische Variante). Im Handel können vermehrt auch Sakkos erworben werden, die keine Rückenschlitze aufweisen. Diese finden jedoch im höherpreisigen Segment (insbesondere bei Maßanzügen) eher wenig Verwendung.

An der Seite des Sakkos sind zwei Außentaschen aufgesetzt oder eingearbeitet, seltener Paspeltaschen, in der Regel Pattentaschen, dazu kommt auf der linken Brustseite die Brusttasche, eine Leistentasche für ein Einstecktuch. Als Sonderform kommt eine zusätzliche Billetttasche in Frage.

Nur im Trachtenanzug haben Sakkos eine Rückenfalte, zumeist als Kellerfalte wie beim Steireranzug oder der Miesbacher Tracht.

Entwicklung und Mode Die Entwicklung der formellen und informellen Herrenoberbekleidung und des Sakkos war dem Grundsatz nach in der Gründerzeit um 1880 abgeschlossen. Jacke und Hose waren die eigentliche Bekleidung des Herrn, während das Hemd als Unterwäsche dazu diente, die Oberbekleidung vor Verschmutzung zu schützen. Seitdem bestimmt die Mode über die Ausgestaltung des Stils, wobei von Ausnahmen abgesehen die Herrenmode nie mehr die Vielfalt der Damenmode erreichte.

Formal gekleidete Herren trugen noch bis in die 1920er Jahre tagsüber Gehrock und abends Frack. Der Smoking entstand um 1880, als sich Gentlemen nach dem Dinner zum Rauchen zurückzogen und dazu ihren Frack durch eine kurze Jacke ersetzten, damit die Damen später nicht durch den Rauchgeruch belästigt würden. Zur Jahrhundertwende wurden Westen mit Kontrast zur Jacke modisch, eine weiße Weste zum grauen oder schwarzen Anzug galt als besonders elegant. Gleichzeitig setzte sich der heutige Umlegekragen beim Hemd durch, Stehkragen wurden abseits des Frackhemds mit seinem Vatermörderkragen selten.

mini|Edward Windsor (Mitte) 1924 als Thronfolger auf Staatsbesuch in Kanada