Alexandria oder Alexandrien (, nach Alexander dem Großen; ; koptisch: Ⲣⲁⲕⲟϯ Rakoti bzw. ⲁⲗⲉⲝⲁⲛⲇⲣⲓⲁ Aleksandria) ist mit über fünf Millionen Einwohnern (Stand 2023) und einer Ausdehnung von 32 Kilometern entlang der Mittelmeerküste nach Kairo die zweitgrößte Stadt Ägyptens und die größte Stadt mit direktem Zugang zum Mittelmeer. Sie besitzt den größten Seehafen des Landes, an dem etwa 80 % des ägyptischen Außenhandels abgewickelt werden. Als bedeutender Industriestandort wird sie über Pipelines mit Erdöl und Erdgas aus Suez versorgt.

Alexandria wurde 331 v. Chr. vom Makedonen Alexander dem Großen an der Stelle der altägyptischen Siedlung Rhakotis gegründet und unter Ptolemaios II. zwischen 285 und 247 v. Chr. fertiggestellt. Die Stadt, Residenz der Ptolemäer, entwickelte sich rasch zu einem der wichtigsten Zentren der hellenistischen Welt sowie später des römischen und frühbyzantinischen Ägypten. Sie war nach dem Ende der Ptolemäer Hauptstadt der römischen Provinz Aegyptus, in der Spätantike dann der Dioecesis Aegypti. Das antike Alexandria war vor allem für seinen Leuchtturm (Pharos), eines der sieben Weltwunder der Antike, und für seine Große Bibliothek bekannt. Sie war ein bedeutendes Zentrum von Bildung und Wissenschaft (siehe Bildung im antiken Alexandria). Bereits in der Antike war die Stadt eine Großstadt mit über 500.000 Einwohnern.

Nach der Islamischen Eroberung Ägyptens 641 n. Chr. und mit der Gründung von Kairo verlor die Stadt ihre Bedeutung. Große Bereiche wurden überdies im 8. oder 9. Jahrhundert nach einem schweren Erdbeben dauerhaft überflutet. Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem vom Hinterland abgeschnittenen Fischerdorf herabgesunken, gelang Alexandria dank dem Bau des Mahmudiyakanals und dem Aufblühen des lukrativen ägyptischen Baumwollhandels der Wieder-Aufstieg zu einem wichtigen internationalen Handelszentrum.

Im Hafen von Alexandria finden seit 1994 unterwasserarchäologische Untersuchungen statt, durch die neue Erkenntnisse zur Vorgängersiedlung Rhakotis und zur ptolemäischen Epoche gewonnen werden konnten.

Geografie Alexandria liegt am westlichen Rand des Nildeltas auf einem schmalen Landstreifen entlang der hier von Südwesten nach Nordosten verlaufenden Küste des Mittelmeeres. Hinter dem Landstreifen erstreckt sich der lagunenartige Brackwassersee Mariut, dessen Fläche in den letzten 200 Jahren immer kleiner geworden ist. Ganz durch Landgewinnung in bewässertes Ackerland verwandelt wurde die Fläche der ehemaligen Fähre von Abukir (المعدية أبو قير – al-Maʿdīyat/al-Muʿaddiyat Abū Qīr), die sich zwischen dem Mariut-See, der Bucht von Abukir und dem Idku-See (بحيرة إدكو – Buhayra Idkū) befindet. Aus dem Nildelta schlängelt sich der unter den Ptolemäern angelegte Kanal von Alexandria ( خليج الإسكندرية – Chalīg al-Iskandariyya) zwischen den Seen hindurch bis nach Alexandria.Vortrag auf dem Deutschen Historikertag 2012 über die Wasserpolitik der Ptolemäer (Volltext als PDF; 879 kB) Er dient der Süßwasserversorgung und der Binnenschifffahrt. Zwischen 1807 und 1820 wurde der Kanal wiederum erneuert und dabei der Abgang aus dem Nil um 20 Kilometer flussabwärts verlegt sowie bei Alexandria eine neue Verbindung zum Mittelmeer angelegt. Seitdem heißt er Mahmudiyakanal (قَنَال المحمودية – Qanāl al-Maḥmūdiyya).

Die Altstadt al-Medina (المدينة) liegt auf der Landzunge, die sich entlang des um 300 v. Chr. gebauten Damms zur Insel Pharos gebildet hat, und damit nördlich der antiken Stadt. Nach Süden war diese Landzunge durch eine Festungsmauer gesichert. Südlich der Altstadt und der Hafenbecken, also auf dem Gelände des antiken Alexandria auf dem küstenparallelen Landstreifen, gab und gibt es eine (um 1800) von der Fläche her annähernd doppelt so große Vorstadt, die von weiteren Stadtmauern geschützt wurde.Exakte topografische Aufnahme des Nildeltas aus 18 der 45 Blätter der Carte topographique de l'Egypte, französisch, 1818. Heute hat sich aus dieser Vorstadt ein Siedlungsband von über 15 Kilometer Länge gebildet.

Die Stadt liegt im gleichnamigen Gouvernement und bildet ein Verwaltungsgebiet von 2679 km².Der Brockhaus (Multimedia 2006). Die Stadt Rosette (Raschīd) liegt 65 Kilometer östlich, der Suezkanal 240 Kilometer. Die Entfernung nach Kairo beträgt 225 Kilometer.

Klima An der Küste um Alexandria befindet sich ein schmaler steppenhafter Landstreifen zwischen mediterranem Klima und Wüstenklima. Die Temperatur schwankt im Januar von 9 bis 19 °C und im Juli von 22 bis 31 °C. Diese Schwankungen sind aufgrund der Nähe zum Meer moderat. 190 mm Niederschlag fallen an wenigen Tagen zwischen Oktober und April.

Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 60 bis 70 Prozent. Vom Mittelmeer her kommend, wehen zumeist nördliche, gemäßigte, manchmal aber auch sehr heftige Winde. Im Frühjahr kann auch ein heißer, trockener Wüstenwind wehen, der Chamsin, der aus dem Süden dichte, gelbe Wolken aus Sand und Staub mitbringt.

Klimawandel Alexandria ist von allen Städten im Mittelmeerraum am stärksten vom steigenden Meeresspiegel betroffen. Erwartet wird ein Anstieg von 68 cm bis 2050. Laut einer Prognose der Vereinten Nationen wird – nach dem günstigsten Szenario – bis 2050 ein Drittel der Stadt unbewohnbar oder bereits unter Wasser sein, wodurch 1,5 der 6 Millionen Einwohner ihre Häuser verlassen müssen. Durch das Vorrücken des Meerwassers werden Gebäude einstürzen und Salzwasser in wertvolles Ackerland in der Nildelta-Region gespült.

In Kombination mit der Absenkung von Erdboden und der Küstenerosion zeigen sich die Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels bereits jetzt: In den letzten 20 Jahren hat die Stadt durchschnittlich pro Jahr 3,5 Meter ihrer Küste ans Meer verloren, und sie sinkt jährlich um 3 mm ab. Als Gebäude durch Überflutungen 2015 und 2020 instabil wurden, mussten hunderte von Menschen ihre Wohnungen verlassen.

Bevölkerung Mit 5,36 Millionen Einwohnern (2023) in der eigentlichen Stadt ist Alexandria heute nach Kairo die zweitgrößte Stadt Nordafrikas, die Agglomeration der zweitgrößte Ballungsraum in Nordafrika und neuntgrößte in ganz Afrika. Für 2050 wird mit einer Bevölkerung von über 8,7 Millionen Menschen in der Agglomeration gerechnet.

+ Bevölkerungsentwicklung Alexandrias Jahr Einwohner (Stadt) 1976 (Zensus) 2.318.655 1986 (Zensus) 2.917.327 1996 (Zensus) 3.328.196 2006 (Zensus) 4.110.015 2008 (Berechnung) 4.247.414 2009 (Berechnung) 4.317.3982017 (Berechnung)5.039.9752023 (Berechnung)5.360.000

Geschichte Hellenistische Zeit

Die erste Besiedlung des heutigen Stadtgebiets fand wahrscheinlich zwischen 2700 und 2200 v. Chr. statt.Abeer el-Shahawy: Das Ägyptische Museum von Kairo. Ein Streifzug durch das Alte Ägypten. Farid Atiya Press, Gizeh 2005, S. 271, 4. Zeile von unten. 331 v. Chr. gründete der Feldherr und Makedonenkönig Alexander der Große Alexandria an der Stelle der ägyptischen Siedlung Rachotis (Raqote), wobei er selbst die Lage des Marktplatzes und der Hauptverkehrsachsen festlegte.Arrian Anabásis Aléxandrou 3.1.4-5; Pseudo-Kallisthenes Alexanderroman 1.31.5-1.32.6 Wahrscheinlich besaß die vorherige kleine Stadt aus vorptolemäischer Zeit schon Hafenanlagen im Norden und Westen der Insel Pharos. Traditionell galt als Gründungsdatum der 25. Tybi (erster Peretmonat),Pseudo-Kallisthenes, Alexanderroman 1.32.7 der 7. April jul. / 2. April greg. 331 v. Chr.Es ist unklar, ob Alexander die Stadt vor oder nach dem Besuch der Oase Siwa gegründet hat, bzw. ob er bei der offiziellen Gründungszeremonie selbst anwesend war. Siehe Günther Hölbl: Geschichte des Ptolemäerreiches Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994, S. 10 und Anm. 4, S. 281.

Alexandria entstand nach Plänen des griechischen Architekten Deinokrates.Vitruv, De architectura II praef. 4 Im Jahr 331 v. Chr. verließ Alexander die Stadt, zog mit seinem Heer nach Osten und sollte bis zu seinem Tod nicht mehr zurückkehren. Der Grieche Kleomenes von Naukratis übernahm kurzzeitig die Regierung und überwachte den Bau der Stadt. Ptolemaios I. (305–283 v. Chr.) ließ den Leichnam Alexanders nach Alexandria überführen und bestattete ihn in einem goldenen Sarg. Das Grab lag wahrscheinlich in dem königlichen Mausoleum der Stadt, das auf dem Gelände der heutigen Nebi-Daniel-Moschee vermutet wird.Theorie von N. G. L. Hammond, wiederum zitiert in der u. g. Quelle Erst unter Ptolemaios II., also zwischen 285 und 246 v. Chr., wurde Alexandria im geplanten Umfang fertiggestellt, doch schon zwischen 320 und 311 wurde es die Residenzstadt der ptolemäischen Könige und behielt diese Funktion bis zum Ende des Ptolemäerreichs.

Die Polis Alexandria galt formal nicht als Teil Ägyptens, sondern wurde jahrhundertelang stets als „Alexandria bei Ägypten“ bezeichnet; erst in römischer Zeit änderte sich dies. In der Blütezeit von 300 v. Chr. bis 400 n. Chr. war Alexandria ein wirtschaftliches, geistiges und politisches Zentrum des östlichen Mittelmeerraumes, auch unter römischer Herrschaft. Berühmte Bauwerke wie der Leuchtturm von Pharos (Bauzeit ca. 299–279 v. Chr.), das Museion mit der großen (alexandrinischen) Bibliothek und zahlreiche Theater, Palastbauten und Tempel machten die Stadt im ganzen antiken Mittelmeerraum bekannt. Ein gleichzeitig mit der Stadt angelegter Kanal führte Süßwasser aus dem westlichsten Mündungsarm des Nils heran und speiste ein umfangreiches System von Zisternen. In guten Zeiten, d. h. wenn der Kanal funktionierte, unterschied sich die Funktion dieser Zisternen von der sonst üblichen; dienen Zisternen normalerweise als Sammelbehälter für Regenwasser, so dienten die Zisternen Alexandrias als Absetzbecken zur Klärung des natürlicherweise trüben Nilwassers.

Diodor berichtet von 300.000 freien Einwohnern in späthellenistischer Zeit, wobei die Bevölkerung aus ganz unterschiedlichen ethnischen Gruppen bestand. Hinzu kamen zahlreiche Fremde. In der römischen Kaiserzeit war Alexandria nach Rom zeitweise die zweitgrößte Stadt des Imperiums. Die Bevölkerungszahl wird in seriösen Untersuchungen auf gut eine halbe Million Einwohner in der Spätantike geschätzt, einschließlich der Sklaven.Walter Scheidel (Hrsg.): Debating Roman Demography. Brill, Leiden 2001, ISBN 90-04-11525-0, S. 183. Einige Schätzungen gehen sogar von einer Gesamtbevölkerung von 600.000 bis 750.000 Einwohnern aus.So bei Hans Strelocke: Ägypten. (= Der große Polyglott. Band 126). Polyglott-Verlag, 13. Auflage, München 1987, ISBN 3-493-60126-3, S. 226, z. 13–16, und Der Brockhaus. Mannheim 2006, s. v. „Alexandria“. Die Stadtbefestigung wurde mehrmals erweitert, in der größten Ausdehnung grenzte die südliche Stadtgrenze an den Mareotis-See.Diodor, Bibliothéke historiké 17, 52 Das antike Alexandria bestand aus mehreren Stadtteilen für bestimmte Bevölkerungsgruppen. Neben dem Wohnbezirk der Ägypter, Rhakotis genannt, und der griechischen Neapolis gab es auch ein Viertel der Juden. In Alexandria entstand seit dem 3. vorchristlichen Jahrhundert der größte Teil der als Septuaginta bekannten Übersetzung der Heiligen Schriften der Israeliten ins Griechische.

mini|Alexandria in römischer Zeit mini|Pompeiussäule

Römische Herrschaft Im Jahre 30 v. Chr. wurde die Stadt von Octavian eingenommen, der sich in einem Bürgerkrieg im Römischen Reich durchgesetzt hatte und die Stadt – wie ganz Ägypten – dem Imperium Romanum einverleibte.Ian Shaw, Paul T Nicholson: Lexikon des alten Ägypten. P. Reclam, Stuttgart 1998, ISBN 3-15-010444-0, S. 22f. Octavian verzichtete auf eine Plünderung der Stadt, ließ dafür aber zwei Drittel des Besitzes der Einwohner konfiszieren.Cassius Dio 51,17,6-8. Ägypten wurde kaiserliche Provinz und einem praefectus Aegypti unterstellt; Senatoren durften Alexandria fortan nur ausnahmsweise betreten. Daher blieb auch der städtischen Oberschicht der Aufstieg in den römischen Senat bis in die Zeit Caracallas verwehrt. Aber auch ein eigener Stadtrat wurde Alexandria verweigert. links|mini|Serapis auf römischer Provinzialmünze aus Alexandria, Tetradrachme aus Silber