Die Liste der Sagen vom Schatzkegelspiel umfasst eine (nicht vollständige) Sammlung mit Angaben zu Inhalt und Ort der Sagen vom Schatzkegelspiel, insbesondere des Goldenen Kegelspiels, die im deutschen und französischen Sprachraum weit verbreitet sind. Die Gruppe dieser Sagen ist stets mit dem Kegelspielgerät verbunden (Kegelries = Gesamtheit der Kegel, einzelne Kegel, Kugel oder Kegelbahn aus Gold und/oder Silber). Die Orte dieser Liste weisen auf einen Schatz in einer dieser Gestalten hin, der dort liegen soll. Bis heute wurde noch kein Schatz dieser Art gefunden.
Legende GKS: Abkürzung für Goldenes Kegelspiel. Nummerierung: Die Sagen sind vierstellig nummeriert. Der erste Buchstabe ist ein Sprachcode, der anzeigt, von welchem Volk die Sage stammt: D = deutsch, E = spanisch, F = französisch. Die erste Ziffer ist ein Ländercode, die anzeigt, in welchem Staat, der Sagenort liegt. 0 = Deutschland, 1 = Frankreich, 2 = Italien, 3 = Österreich, 4 = Schweiz, 5 = Spanien, 6 = Tschechien. Die nächsten zwei Ziffern sind eine fortlaufende Sagennummerierung innerhalb eines Staates. Sagen, die räumlich so nahe beieinanderliegen, dass sie wohl auf einen gemeinsamen Sagenort ursprünglich zurückgehen, erhalten keine eigene Nummer, sondern einen fortlaufenden Buchstaben. D108 bedeutet: deutsche Sprache – Frankreich – Sage 08 in Frankreich. D117a bedeutet: deutsche Sprache – Deutschland – Sage 17 in Deutschland, 2. Sagenort.
Liste Deutschland
D001 Burg Iburg (Ruine) bei Tiefenstein (Görwihl), Baden-Württemberg. Variante A: Ein Knabe findet auf der Suche nach Haselnüssen am Berg eine Höhle, aus der es hell schimmert. Dort trifft er auf eine kegelnde Rittergesellschaft (Geister), die ihn als Kegelbuben einsetzt. Zum Lohn erhält er Goldstücke. Zu Hause angekommen erfährt er, dass er nicht einen Tag fort war, sondern sieben ganze Jahre. Das GKS sieht man manchmal nachts hell am Berg, es wurde aber nie gefunden.Unbekannter Verfasser: Der Görwihler Bub am Iburgfelsen. Privatseite, manuel-maier.de aufgerufen am 23. November 2004, nicht mehr verfügbar. Diese Privatseite gab die Sage in der Erzählweise eines Sagensammlers wieder, jedoch ohne Quellenangabe. Variante B: Ein Knabe trifft beim Holzsammeln in der Burg auf zwölf Geister, die ihn als Kegelbuben einsetzen. Mit dem Zwölf-Uhr-Läuten hören sie zu kegeln auf und schenken dem Knaben einen gelben Kegel, bevor sie mit dem letzten Glockenschlag verschwinden. Der Knabe lässt den schweren Kegel auf dem Weg nach Hause liegen und erfährt von seinem Vater, dass der Kegel aus Gold gewesen sein müsse. Doch als der Knabe den Kegel holen will, findet er an seiner Stelle nur ein Stück Holz.Schnezler II, S. 244, Das goldene Kegelspiel D002 Burg Homburg (Burgstall) bei Ettikon (Tiengen), Baden-Württemberg. Ein Ritter der Burg raubte aus seiner Umgebung einen großen Schatz zusammen, den er in einem unterirdischen Gang verbarg. Nachts sieht man auf dem Berg Ritter und Ritterfrauen. Die Tochter des Ritters erscheint alle hundert Jahre in der Fastenzeit und bittet einen Vorüberkommenden, den Schatz zu heben, um sie und ihren Vater zu erlösen. Sie hält sich meist am Fluss nahe dem Burgberg auf. Ein Fischer folgt ihrer Erlösungsbitte und geht mit einem Kapuziner in die Berghöhle. In der 1. Höhle ist nichts Besonderes, in der 2. Kirchengerät und ein GKS, in der 3. eine Kiste mit Geld, die er zu ihrer Erlösung berühren soll. Da auf der Kiste ein schwarzer, feuerspeiender Pudel liegt, fällt der Fischer in Ohnmacht und wird vom Kapuziner aus den Höhlen gebracht. D003 Belchen (Berg im Schwarzwald), Baden-Württemberg. Im Belchen liegt ein goldener Klotz auf einem silbernen Sägebock. Und es ist im Berg ein See, in dem ein GKS und ein goldener Wiesbaum schwimmen. D004 Burg Zähringen (Ruine) auf dem Rosskopf bei Freiburg-Zähringen, Baden-Württemberg. Am Platz ist ein GKS begraben, nach dem früher oft gesucht wurde, das aber nie gefunden wurde. D004a Schlossberg in Freiburg im Breisgau, Baden-Württemberg. Ein GKS der Zwerge liegt im Berg, in dem es manchmal donnert und rollt. Ein Geist versucht, mit der Kugel alle neune zu treffen, schafft aber nie mehr als acht auf einmal.Unbekannter Verfasser: Der Kegelgeist auf dem Schloßberg. Privatseite, aufgerufen am 23. Juni 2008, nicht mehr verfügbar. Diese Privatseite gab die Sage in der Erzählweise eines Sagensammlers wieder, jedoch ohne Quellenangabe. Sowie Hinweis auf diese Sage bei Sepp, S. 51 D004b Oberried (Gemeinde bei Freiburg im Breisgau), Baden-Württemberg. Ein Ritter baut ein Schloss mit einem goldenen Kegelries mit unschätzbarem Wert und versteckt es in einer Schatzkammer. Gnome spielen damit, als ein Junge namens Stefan sie entdeckt. Als ein Betrüger das Kegelries einsehen möchte, verschwindet es für alle Zeit.Egon Schwär: Sagen in Oberried und seinen Ortsteilen Hofsgrund, St. Wilhelm, Zastler und Weilersbach. 3. Auflage. Freiburger Echo Verlag, 2008, ISBN 978-3-86028-199-4, S. 89 D005 Burg Hohenkrähen (Ruine) auf dem Hohenkrähen bei Duchtlingen, Baden-Württemberg. Der Popele, ein hartherziger Vogt der Burg im Mittelalter, kegelt sonntags mit dem GKS im unterirdischen Gewölbe. Zwei Handwerksburschen treffen auf ihn und kegeln mit. Der eine findet auf dem Weiterweg eine (wertlose) Kegelkugel in seinem Rucksack und wirft sie weg. Der andere setzt später seinen Ranzen ab und findet darin einen Kegel aus Gold. Der erstere sucht daraufhin nach seiner Kugel, findet sie aber nicht mehr. Seitdem kegelt der Popele nur noch mit acht Kegeln.Meier, S. 77; Schnezler I, S. 258: Vom Kegelspiel des Poppele, als Digitalisat D006 Röhrenberg, auch Rauhesetzebühl, (Hügel) bei Allensbach, Baden-Württemberg. Ein Handwerksbursche rastet an der Quelle des Hügels. Da öffnet sich der Berg beim Quellenspalt, es leuchtet heraus und der Jüngling sieht ein GKS mit zwei goldenen Kugeln. Dann tut es einen Knall und die Öffnung samt GKS sind verschwunden. Ein altes Männlein (Zwerg?) erklärt ihm, er hätte nur seinen Stecken in die Öffnung hineinwerfen müssen, dann wäre es seins gewesen.RUF S. 26 D007 Abtsberg (Hügel) zwischen Sipplingen und Sußenmühle, Baden-Württemberg. In einer Höhle ist ein GKS, das durch ein eisernes Gitter geschützt ist und nie gehoben werden konnte. Nachts hört man es manchmal kegeln, das Rollen der Kugel, das Fallen der Kegel.Schnezler I, S. 113, D008 Schloss Neu-Dettingen bei Konstanz, Baden-Württemberg. Ein Ritter besaß ein GKS und kegelte damit. Er vergrub es schließlich auf dem Burghof. Da er keine Ruhe findet, rollt er in unheimlichen, dunklen Nächten die Kugel oder wenn nach dem GKS gegraben wurde.Gloger, S. 29–31 D009 Dietfurter Höhle unter der Burgruine Dietfurt bei Inzigkofen-Dietfurt, Baden-Württemberg. In der Höhle ist ein GKS begraben, das nie gefunden werden konnte.Hinweis auf eine GKS-Sage bei Jochen Duckeck: Burghöhle Dietfurt. Privatseite, showcaves.com aufgerufen am 22. Oktober 2009. Sowie bei Manuela Fuths: Kultplätze. Privatseite, aufgerufen am 22. Oktober 2009. D010 Salzstadel (Gebäude) in Ravensburg, Baden-Württemberg. Ein GKS liegt unter dem Gebäude und soll oft gehört, aber auch gesehen worden sein. Ein Nachtwächter sieht eine Kugel an sich vorbei auf das GKS zurollen, schaut nach und erhält eine Ohrfeige. D011 Alt-Kißlegg (Burgstall) bei Kißlegg, Baden-Württemberg. Im Hügel des Burgstalls liegt ein GKS, bewacht von einem Geist.Unbekannter Verfasser: Der Schatz auf der Kißlegger Burg. Internetportal der Allgäuer Heimatpfleger, aufgerufen am 22. Oktober 2009 D012 Kloster Wessobrunn in Wessobrunn, Bayern. Das Kloster hatte einst ein GKS, ein „Stoßpudelgespiel“, das in unruhigen Zeiten in den Gewölben unter der Klosterkirche oder des Klosters verräumt und danach nie wiedergefunden wurde.Sepp, S. 50 D012a Königsbruch (Steinbruch) bei Paterzell, Bayern. Variante A: Im Bruch liegt ein GKS begraben, das nie gefunden werden konnte. Variante B: Im Bruch liegt ein GKS begraben, das nie gefunden werden konnte. Jeder Kegel ist neun Zoll hoch.Leuthenmayr, S. 262 D013 Alteberstein (Ruine) bei Ebersteinburg. Variante A: In einem Gewölbe der Burg liegen Kisten mit Geld, Kegelspiel und goldenem Kalb, bewacht von einem schwarzen Hund. Variante B: Ähnlich wie Variante A, nur dass es 5 Kisten und ein silbernes Kegelspiel sind.Schnezler II, S. 231 D014 Burg Hochberg bei Remseck, Baden-Württemberg. Ein Hirtenknabe trifft in der Burg Sonntags auf zwölf Ritter, die mit neun goldenen Kegeln und zwei goldenen Kugeln kegeln. Als Kegelbube wird er mit vier Goldstücken belohnt, danach löst sich die Gesellschaft in Luft auf. Zu Hause zeigt er seinen Schatz und erfährt, drei Tage fort gewesen zu sein. Das GKS ist seitdem verschollen. In Deutschlands größter Notzeit kommen die zwölf Verwunschenen wieder und befreien das Land von seiner Not. D015 Burg Granegg (Burgrest) bei Wißgoldingen, Baden-Württemberg. Die Ritter hatten ein GKS und kegelten damit. In Kriegszeiten vergruben sie es im Berg. Man sieht es bei Gewitter, Donner oder Regenbogen. D016 Burg Hornberg bei Neckarzimmern oder Burg Hornberg (Ruine) bei Hornberg im Schwarzwald, Baden-Württemberg. Unter der Burg ist ein GKS begraben.Hinweis bei Sepp, S. 51 D017 Burg Drachenfels (Ruine) beim Ort Busenberg, Rheinland-Pfalz. Variante A: Im Burgbrunnen liegt ein silbernes Kegelspiel, das von einer feuerspeienden Kröte bewacht wird. Drei Schwestern in weißen Gewändern will man in der Ruine gesehen haben. Gegen den Drachenfels (am gleichen Berg) soll ein Drache geflogen sein.Panzer, Nr. 215 Variante B: In der Burg liegt ein GKS, mit dem die Geister kegeln. D017a Burg Altdahn (Ruine) bei Dahn, Rheinland-Pfalz. In der Burg liegt ein GKS, mit dem die Geister kegeln. D018 Burg Schauenforst (Ruine) auf dem Schlossberg bei Rödelwitz, Thüringen. Variante A: In der Ruine ist ein GKS begraben.Witzschel, Nr. 230 Variante B: Ein böser Ritter presst nach vernichteter Ernte (wegen Überflutung) seine Untertanen aus und lässt sich aus dem Erlangten ein GKS fertigen und kegelt damit. Ein alter Mann, dem er alles nahm, verflucht ihn, auf ewig mit dem GKS zu kegeln. In schwülen Nächten ist der kegelnde Ritter noch heute zu hören. D019 Burg Wysburg (Ruine), auch Hunnenburg, auf der Schlosskuppe bei Neuenbeuthen, Thüringen. Die letzten Burgherren waren Raubritter, die ihre Umgebung plünderten und brandschatzten. Aus ihrer Beute ließen sie neun goldene Kegel und acht silberne Kugeln fertigen. Als die Burg erobert wurde, versenkten sie kurz zuvor das GKS im Burgbrunnen, das bis heute nicht gefunden wurde.Unbekannter Verfasser. Gemeindeverwaltung Weisbach, Museum Haus Wysburg und Ausgrabungsstätte der Burg, wysburg.de aufgerufen am 22. Oktober 2009. Diese Seite gibt die Sage in der Erzählweise eines Sagensammlers wieder, jedoch ohne Quellenangabe (Dr. Adler?). D020 Valtenberg (Berg) bei Neukirch/Lausitz, Sachsen. Zwei Wanderer treffen nachts auf dem Berg auf kegelnde Zwerge und kegeln mit ihnen. Jeder der beiden darf eine Kugel mit nach Hause nehmen. Dem ersten wird sie zu schwer und er wirft sie in den Bach. Der andere aber stellt zu Hause fest, dass sich seine Kugel zu Gold verwandelt hat. Da geht der erste zum Bach und findet die seine aber nicht mehr. Seitdem ist der Bach goldhaltig. D021 Oderwitzer Spitzberg bei Oderwitz, Sachsen. Auf dem Berg lebten einst Riesen, die gern und laut mit neun Kegeln und sechs Kugeln aus Gold kegelten. Als Heiden kegelten sie selbst an Allerheiligen (1. November) bis um Mitternacht. Da öffnete sich der Himmel und ein Feuerball fuhr hernieder und begrub sie mitsamt dem Kegelspiel. Seitdem liegt im Berg ein Klumpen geschmolzenen Goldes, der aber bis heute nicht gefunden wurde.