mini|200px|Bernd Ruf (2008) Bernd Ruf (* 27. September 1964 in Offenburg) ist ein deutscher Dirigent, Klarinettist, Saxophonist, Produzent und Dozent. Er arbeitet im Grenzbereich von Klassik, Jazz, Neuer Musik, Rock und Weltmusik. 2004 wurde er als Professor auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Popular-, Jazz-, Weltmusik und Musikbusiness an die Musikhochschule Lübeck berufen.

Leben und Werk Ruf wuchs im badischen Gengenbach in einem musikalischen Umfeld mit klassischer und populärer Musik auf. In seinen beiden letzten Schuljahren besuchte er schulbegleitend einen zweijährigen Dirigierkurs. Nach dem Abitur studierte Bernd Ruf in Stuttgart und Frankfurt Schulmusik, Diplom-Musiklehrer, Jazz- und Popularmusik, Kapellmeister und Musikwissenschaft. Bernd Ruf dirigierte nach seinem Kapellmeisterstudium Musicals (Miss Saigon, Les Misérables, Tanz der Vampire, Disneys Die Schöne und das Biest, Der König der Löwen), assistierte Dennis Russell Davies beim Stuttgarter Kammerorchester und den Salzburger Festspielen und übernahm bei den Stuttgarter Philharmonikern von 1999 bis 2004 die Konzeption und Leitung verschiedener Jugendkonzerte. Als freier Dirigent entwickelte er die Crossover Symphonies, spezielle Orchesterprogramme mit afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Musikern, mit Jazz- und Rockmusikern. Für den Komponisten und Geiger Gregor Hübner dirigierte er einige Uraufführungen in Stuttgart mit dem Stuttgarter Kammerorchester und in New York mit dem German-American Chamber Orchestra. Er gastierte u. a. beim SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern, der NDR Radiophilharmonie Hannover und den Bochumer Symphonikern. Bei der Staatskapelle Halle, der Jenaer Philharmonie und der Württembergischen Philharmonie Reutlingen ist Bernd Ruf regelmäßiger Gastdirigent. In seinen orchestralen Crossoverprojekten arbeitete er u. a. mit Jon Lord (Deep Purple), Roger Hodgson (Supertramp), Ian Anderson (Jethro Tull), Paul McCartney, Randy Brecker, Joe Lovano und Charlie Mariano. Bei den Händel-Festspielen in Halle konzipiert und dirigiert er die jährlich stattfindende Open-Air-Großveranstaltung Bridges to the Classics. Als Music Director leitet Bernd Ruf seit 1999 das GermanPops Orchestra und das European Art Orchestra. Beide Orchester haben sich durch ihre Studioarbeit einen internationalen Namen gemacht und spielen regelmäßig Klassik-, Crossover-, Film- und Pop-Produktionen für internationale Platten-Labels ein.GermanPops Orchestra Ruf dirigierte verschiedene Orchestersoundtracks für Kino, Fernsehen und Games (Siedler, Anno, SpellForce, ParaWorld, Battleforge, Darksiders, House of the Lion).

Als Klarinettist bezieht Ruf Einflüsse aus Spielweisen des Klezmers, Jazz, südosteuropäischer Volksmusik und Klassik. Improvisation ist ein wesentliches Element seiner Musik. 1987 ist Bernd Ruf in das zwei Jahre zuvor in Ravensburg gegründete Ensemble Tango Five eingetreten, welches von 1995 bis 2014 in der unveränderten Besetzung mit Gregor Hübner (Violine), Veit Hübner (Bass), Karl Albrecht Fischer (Klavier) und Bernd Ruf (Klarinette) spielte. Zahlreiche Tourneen führten das Ensemble in die USA, nach Südamerika, Georgien und durch Europa. Tango Five spielte einerseits szenische Musik-Comedy-Programme, in denen die vier Interpreten mit unterschiedlichsten Instrumenten und A-cappella-Gesang ironisch kleine Geschichten musikalisch stilübergreifend erzählten. Andererseits spielte Tango Five eine Musik, die ihre Wurzeln in südosteuropäischer Volksmusik, Klezmer, Gypsy, Tango, Klassik und Jazz hat. Für Konzerte mit rein instrumentalen Programmen und ihre CD Balkan Tales – Out of Beograd gab sich das Ensemble einen zweiten Namen: ASSAI.Tango Five

Die Zusammenarbeit von Tango Five mit dem Bandoneonisten Raúl Jaurena begann 1998 mit der CD-Produktion Obsecion. Es folgten Auftritte bei den Tango-Festivals in Montevideo und Buenos Aires. Ein Jahr später konzipierte und dirigierte Ruf für das ORF Radio-Symphonieorchester Wien seine erste „Crossover-Symphony“, die „Latin Symphony“, in der Jaurena sein Debüt als Bandoneon-Solist bei einem europäischen Orchester gab. Es folgten weitere gemeinsame Tourneen, die „Symphonic Tango Night“ mit den Stuttgarter Philharmonikern und der Tango-Abend „Amando a Buenos Aires“, welcher mehrere Wochen im Friedrichsbau-Varieté in Stuttgart aufgeführt wurde. Unter dem Formationsnamen Jaurena Ruf Project spielen Bernd Ruf und Raul Jaurena seit 2007 als festes Duo zusammen (bis 2021).Jaurena Ruf Project

Seit 2004 leitet Ruf den Bereich Popularmusik, Jazz und Weltmusik an der Musikhochschule Lübeck. Dort entwickelte er das „Lübecker Modell“, bei dem Jazz und Pop nicht als eigenständiger Studiengang unterrichtet werden, sondern als fester Bestandteil in die klassischen Studiengänge hinein wirken. Im Wintersemester 2006 übernahm er kommissarisch die Institutsleitung Schulmusik, seit Wintersemester 2008 ist er stellvertretender Institutsleiter. Im Mai 2011 übernahm er das Amt des Vizepräsidenten.

Von 2021 bis 2024 war Ruf künstlerischer Leiter des Kursprogramms der Studienvorbereitenden Ausbildung Jazz-Rock-Pop des Landesverbandes der Musikschulen in Schleswig-Holstein. Seit 2024 fungiert er als Schirmherr des Programms.Studienvorbereitende Ausbildung Jazz-Rock-Pop des Landesverbandes der Musikschulen in Schleswig-Holstein Die Musiker Ivo und Ilja Ruf sind seine Söhne.

Auszeichnungen 2021: Nominiert für Opus Klassik als „Dirigent des Jahres“ für das Album East West Symphony 2016: Golden Melody Award (Taiwan) für Winter Endless als Dirigent mit Sodagreen und dem GermanPops Orchestra 2004: Platin-Auszeichnung für Pur klassisch – Live Auf Schalke 2004 als Dirigent 2002: Grammy-Nominierung als Dirigent in der Kategorie „Best Classical Crossover Album“ für die CD – Produktion „Paquito D’Rivera – The Clarinetist“ 1999: Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg 1995: Stipendiat der Herbert von Karajan-Stiftung 1992: Kleinkunstpreis Baden-Württemberg (3. Platz) für Tango Five 1991: Ravensburger Kupferle (Kleinkunstpreis) für Tango Five

Diskografie miniatur|150px|rechts|Bernd Ruf (2009) / Fotograf: Béla Markó