Münstertal/Schwarzwald ist eine Gemeinde und Luftkurort im Schwarzwald und liegt etwa 20 Kilometer südlich von Freiburg im Breisgau im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.
Geographie – Gemeinde Lage Knapp 20 Kilometer südlich von Freiburg im Breisgau führt das weitläufige Münstertal von Staufen im Breisgau tief hinein in den Südschwarzwald und grenzt an den Landkreis Lörrach an. Die Gemeinde Münstertal verteilt sich mit seinen mehreren Siedlungskernen auf zwei Haupttäler und zwar nördlich des Hausberges Belchen, über den Ortsteil Stohren in Richtung des Freiburger Hausberges Schauinsland und westlich des Belchen über den Ortsteil Münsterhalden in Richtung Badenweiler. Die Höhenlage des Münstertals liegt zwischen am Neumagen bis auf dem Belchengipfel und weist damit einen Höhenunterschied von 1084 Meter auf. Zahlreiche Seitentäler mit ausgesprochen individueller Prägung führten zum Beinamen „Münstertal, das Tal der hundert Täler“.
Nachbargemeinden links|mini|Gemarkungsgrenzen Münstertal Münstertal hat gemeinsame Grenzen mit folgenden 17 Ortschaften:GemeindeGrunernStaufenStaufen im BreisgauStaufenKirchhofenEhrenkirchenEhrenstettenEhrenkirchenSt. UlrichBollschweilBollschweilBollschweilFreiburg im Breisgau (Schauinsland-Berg)FreiburgHofsgrundOberriedMuggenbrunnTodtnauWiedenWiedenBöllenSchönauSchönenbergSchönauAiternSchönauNeuenwegKleines WiesentalHinterheubronnKleines WiesentalSchweighofBadenweilerSulzburgSulzburg
Gemeindegliederung mini|Die Rotten im MünstertalMünstertal/Schwarzwald ist 1971 aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Obermünstertal und Untermünstertal entstanden. Diese wiederum wurden 1831 aufgrund der großherzoglichen Gemeindeordnung gegründet. Das Obermünstertal existierte als Gemeinde von 1831 bis 1971. Politisch autonom war es von 1922 bis 1971. Zuvor agierten die einzelnen Rotten noch überwiegend eigenständig. Das Untermünstertal existierte als politische Gemeinde von 1831 bis 1971.
Rotten Vor 1831 gab es im Tal keine geschlossene Wohngemeinde, sondern eine Ansammlung von einzelnen Ortsgemeinschaften, die als Rotten bezeichnet wurden. Diese in Österreich gängige Bezeichnung wurde von Einwanderern aus Tirol eingeführt, die im 17. Jahrhundert aufgrund den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges u. a. ins Tal umsiedelten. Die Rotten, eingemeindet ins ObermünstertalKrumlindenSpielweg (vormaliger Name: Lehner) (mit Untere Gasse, Stampf, Obere Gasse)NeuhofStohren (mit Hörhalden) Die Rotten, eingemeindet ins UntermünstertalHofWasenZiegelplatzNeuhäuserRotenbuck (mit Mulden und Kaltwasser) (vormals Rotte am Buck)MünsterhaldenMünster Weiler / Höfe Zwischen den Rotten gab und gibt es einzelne Siedlungen, die zum Teil weit auseinander lagen. Dies sind insgesamt 65 Dörfer, Weiler, Zinken, Höfe und Häuserbezeichnung, die in einer Liste einzusehen sind.
Geographie – Natur
Berge/Gipfel mini|Gipfel Nord- und Ostflanke|450x450px mini|Gipfel Südflanke|450x450px Gipfel / BergHöhe (m)LageGießhübel1069Breitnauer Kopf1121Schindelkopf861Aussichtspunkt Eichboden525Brandenspitze987 Heidstein1274Belchen1414Weiherkopf1143Rammelsbacher Eck867Laisackerkopf558Aussichtpunkt Köpfle580Sittnerbergca. 1100Sonnhaldebergca. 900Rübgartenkopf1246Trubelsmattkopf1281 Haldenköpfle1266 Dietschel1241Hohe Kelch1264Stuhlskopf1116Sirnitz1114Kaibenkopf940Schlossberg880Gabler Eck825Rödelsburg773Laitschenbacher Kopf769Maistollen83447.880031 7.801242Wiedener Hörnle1187 Berge im Münstertal mit Gipfel in Nachbargemeinden: mini|Gebirgsrelief Münstertal (Anfang 20Jhd.) Etzenbacher Höhe 725 m Schauinsland 1284 m Riesterkopf 762 m Enggründlekopf 704 m Katzenstuhl 595 m.
Belchen mini|Belchen|400x400px Der Belchen ist der Hausberg des Münstertals, steht unter Naturschutz und zählt jährlich über 300.000 Besucher. Aufgrund seines markanten Profils und der größten Reliefenergie aller deutschen Mittelgebirgsberge wird er auch König des Schwarzwalds genannt. Er ist nach dem Feldberg und dem Herzogenhorn der dritthöchste Berg des Schwarzwaldes. Per PKW und Bus ist die Talstation der Belchenseilbahn erreichbar. An der Bergstation, nahe des Gipfels, befindet sich das Belchenhaus. Dort gibt es einen Gipfelrundweg. Der Gipfel kann zu Fuß oder per Fahrrad erreicht werden. Von dort aus besteht bei gutem Wetter Rundumpanorama mit Aussicht bis in die Alpen (Bereich Zugspitze bis Mont Blanc).
Der Name Belchen stammt aus dem Mittelhochdeutschen (belche = „weißer Fleck“, der sich von dem ihn umgebenden dunklen Wald abhebt). Der Belchen ist Teil des Belchen-Systems, das vor über 2000 Jahren von den in der Region ansässigen Kelten zur kalendarischen Bestimmung der Tagundnachtgleichen und der Sonnenwenden benutzt wurde und in Verbindung mit Belenus, dem Gott des Lichtes der Kelten, gebracht wird.
Gewässer Neumagen mini|150x150px|Zusammenfluss Neumagen und Talbach Der Neumagen ist ein rund 26 Kilometer langer Fluss/Bach, der in die Möhlin mündet. Von seinen höchstgelegenen Quellen bis zur Mündung beträgt das Gesamtgefälle rund 940 Höhenmeter. Von den Flüssen auf der Westseite des Südschwarzwalds weist er den höchsten Gefällegradienten auf. Der Neumagen wird von 50 Bächen gespeist und speist selbst den Eschbach, der durch die gleichnamige Gemeinde fließt. Der höchste Quellpunkt liegt am Trubelsmattkopf. Der Name Neumagen entstammt dem keltischen Wort „novio-magus“, was so viel bedeutet wie Feld oder Ebene am Fluss bzw. am Bach. Das stärkste gemessene Hochwasserereignis war am 19. Mai 1994, als aufgrund von starken Niederschlägen über 40000 Liter pro Sekunde abliefen. Das folgenreichste Hochwasserereignis war im Juli 1744, als in Staufen wertvolle Viehweiden weg geschwemmt wurden. Die damaligen Flussbegradigungen für die Baumstammflößerei Richtung Breisach wurden weggerissen und der Bach suchte sich wieder ein neues Bett. Der historische Niedrigwasserstand war Mitte August 2026 als nach wochenlanger Hitzewelle und Dürre der Pegel an der Messstelle "Untermünstertal" nur noch einen Wert von 4 cm und Abflussmenge von 0,14 m³/sec aufwies.
Nonnenmattweiher mini|250x250px|Nonnenmattweiher Auf 915 m Höhe gibt es nahe der Münstertäler Gemarkungsgrenze in einem Naturschutzgebiet den Bergsee Nonnenmattweiher, in dem auch gebadet werden kann.
Biosphärengebiet Schwarzwald Münstertal grenzt an das Biosphärengebiet Schwarzwald an.
Geschichte – Bergbau/Kloster/Münster Bergbau Die älteste, gefundene Bergbauspur im Münstertäler Ortsteil Münsterhalde stammt von ca. 5000 v. Chr. Dieser Fund ist der jungsteinzeitlichen Bandkeramischen Kultur am Oberrhein zuzuordnen. Die im Jahr 2025 ausgrabenden Archäologen halten diese gefundenen Spuren jungsteinzeitlichen Hämatit-Bergbaus in Münstertal „für in ganz Mitteleuropa einzigartig“.
Erzbergbau fand im Mittleren Schwarzwald sowie im Südschwarzwald (zum Beispiel im Münstertal) vermutlich schon in der Römerzeit statt (Gewinnung von Silber- und Bleierzen). Urkundlich belegt wurde die Münstertäler Bergbaugeschichte erstmals 1028 von Kaiser Konrad II. Im späteren Hochmittelalter (ab etwa 1100 n. Chr.) erlebte der Bergbau im Schwarzwald wieder einen Aufschwung, insbesondere um Todtnau, im Münstertal und Suggental, später auch am Schauinsland. Man nimmt an, dass bis zum Ausgang des Mittelalters etwa 800–1000 Bergleute im Münstertal lebten und arbeiteten. Nach der Pest, die das Tal 1516 heimsuchte, dem Deutschen Bauernkrieg (1524–1526) und dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) ging der Bergbau in der Region bis auf wenige Gruben zurück.mini|Walzpochwerk um 1830 i.d. Mulde zur Zerkleinerung des GesteinsEinen erneuter Aufschwung des Bergbaus begann Anfang des 18. Jahrhunderts nach dem Verlust des Elsass an Frankreich. Er dauerte bis in das 19. Jahrhundert. Viele Gruben aus dieser Zeit können heute als Schaubergwerk besichtigt werden, wie beispielsweise die Grube Teufelsgrund (Münstertal). Dort endete der Bergbau relativ spät im Jahr 1958. Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es dem „Badischen Bergwerksverein“, den Abbau von Blei im Münstertal mit rund 400 Bergleuten nochmals zu aktivieren, doch selbst eine deutsch-englische Auffanggesellschaft konnte 1852 die Aufhebung des Abbaubetriebes nur noch einige Jahre hinauszuzögern. Laut einem überlieferten „Katalog von dem ganzen Bergwerks-Etabilissement“ aus dem Jahre 1864 wurde der Bergbau (Abbau von Silber und Blei) im Tal offiziell eingestellt.
Dennoch gab es auch im 20. Jahrhundert nochmals kurze Bergbauperioden. Von 1932 bis 1938 lief im Münstertal der Abbau von Schwerspat im Tirolergrund im Etzenbach sowie von 1942 bis 1958 von Flussspat im Teufelsgrund. Vom Mundloch des Wilhelmstollens führte damals eine breite Abraumhalde (heute wieder bewaldet) hinab zum Zufahrtsweg, wo das Erz verladen wurde.mini|Abräumhalde Wilhelmstollen Münstertal (1950er)|links
Im Jahr 2010 gab es das erste Münstertäler Bergmannstreffen, an dem sich die noch lebenden, damaligen Bergleute, Hauer, Steiger und die Erzklauberinnen getroffen haben. Das Treffen fand an der Feuerwehrhütte statt, die heute auf der Abraumhalde und am Eingang des bis zuletzt befahrenen Wilhelmstollens steht. Hier befand sich das ehemalige Betriebsgebäude mit einer Sortieranlage und einem langen Klaube(fließ)band, an dem mehrere Frauen gutes und taubes Gestein auseinander klaubten.
Stadt Münster Die abgegangene Stadt Münster (Schwarzwald) wurde bereits 926 erstmalig erwähnt und gab dem Münstertal seinen Namen. Münster wird in einer Urkunde aus dem Jahr 1317 als Stadt des Klosters St. Trudpert bezeichnet. mini|250x250px|Bergbaustadt Münster, Aquarell von 1780
Die Rechte daran hatten zunächst die Zähringer und nach deren Aussterben im Jahre 1218 die Grafen von Urach, die sich später aufgrund des Verlustes des namensgebenden Stammsitzes „Grafen von Freiburg“ nannten.mini|250x250px|Graf Egino I von Freiburg 1185–1237|links Die Grafen von Freiburg setzten die Herren von Staufen als Vögte u. a. für die Stadt Münster ein. Im 12. Jahrhundert sind Streitigkeiten der Herren von Staufen mit dem Kloster über die Bergwerksrechte im Münstertal dokumentiert, die vor dem Bischof von Straßburg ausgetragen wurden. In den Jahren 1280/81 wird von einer ersten Fehde zwischen den Herren von Staufen und der Stadt Freiburg berichtet. Eine Urfehde mit Freiburg ab dem Jahr 1306 endete mit einer Niederlage der Herren von Staufen, die als Sühneleistung ab 1309 der Stadt Freiburg für zehn Jahre Kriegsfolge leisten mussten. 1325/26 befanden sich die Herren von Staufen in einem Kleinkrieg mit Freiburg um den Bergbau im Münstertal und widerstanden dabei angeblich einer Belagerung. Der Konflikt wurde zu Ungunsten der Herren von Staufen im April 1326 beigelegt, möglicherweise aufgrund des spätestens 1327 erfolgten Erwerbs von pfandschaftlichen Anteilen an der Burg Staufen durch die Stadt Freiburg. Johann von Staufen verkaufte 1330 die Stadt Münster, die Burg Scharfenstein sowie die Vogtei Münster. Obendrein ging dieser Verkauf an den Habsburger Herzog Otto von Österreich.
Lange Zeit ging man davon aus, dass die Stadt Münster bei dem Angriff der Freiburger 1346 vollständig zerstört wurde, sie wird jedoch zwischen 1348 und 1478 immer wieder in Zusammenhang mit Streitigkeiten mit den Herren von Staufen und in Zusammenhang mit dem Kloster St. Trudpert genannt. Inzwischen ist erforscht, dass die Stadt während des Dreißigjährigen Krieges, endgültig untergegangen ist, als auch das Kloster und die Burg Staufen im Jahr 1632 durch die Schweden unter Führung des schwedischen Feldherrn Gustaf Horn zerstört wurden. Damals tobten die Kämpfe im Breisgau, da das katholisch-kaiserliche, österreichische Haus Habsburg dem protestantischen Schweden und an dessen Seite das katholische Frankreich gegenüberstanden. Im Folgejahr wurden auch Kirchhofen, Ehrenstetten und Krozingen zerstört. 1638 Freiburg eingenommen und Breisach belagert.
Kloster Das Kloster St. Trudpert entstand im beginnenden 9. Jahrhundert n. Chr.