Sardinien (, , ) ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel im Mittelmeer. Die Insel gehört politisch zu Italien und bildet mit den kleinen vorgelagerten Inseln die Autonome Region Sardinien. Die Region hat eine Fläche von 24.090 km² und zählt Einwohner (Stand ).
Geschichte Historische Namen der Insel Die Phönizier nannten die Insel auf der Stele von Nora Šrdn. Ein Fremdvolk, das ebenfalls als Šrdn (meist zu Scherden oder Schardana transkribiert) bezeichnet wurde, begegnet in ägyptischen Texten des 14. bis 12. Jahrhunderts v. Chr., jedoch ist strittig, ob dieses aus Sardinien stammte. Die Euboier nannten die Insel „Ichnoussa“ und die Griechen „Sandalyon“, da ihre Form an einen Fußabdruck erinnert. Als Namensgeber wird auch der Gott Sardus Pater genannt.
Geschichte und Vorgeschichte
Bevölkerung
Viele Sarden sprechen noch etwas Sardisch, eine Sprache, die zur Familie der romanischen Sprachen gehört. Im öffentlichen Leben herrscht jedoch heute eindeutig das Italienische vor; aufgrund der kulturellen und linguistischen Italianisierung Sardiniens seit dem späten 18. Jahrhundert gilt die sardische Sprache als hochgradig gefährdet.
Darüber hinaus wird in Alghero seit dem 14. Jahrhundert ein katalanischer Dialekt gesprochen, entlang der Nordküste Sardiniens halten sich korsische Dialekte, und im Südwesten gibt es eine ligurische Sprachinsel.
Der größte Teil der sardischen Bevölkerung gehört der römisch-katholischen Kirche an.
In der Barbagia gibt es eine demografische Besonderheit. In der Blauen Zone leben die Menschen überdurchschnittlich lang, was sich jedoch auf Basis einer 2024 mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichneten Forschungsarbeit als nicht stichhaltig herausgestellt haben könnte. 2019 hatte Sardinien mit 5,4 Lebendgeburten je 1000 Einwohner die niedrigste Geburtenrate in Italien.
Geographie Lage Sardinien ist eine politisch zu Italien gehörende Insel im Mittelmeer. Sie liegt 190 km von der Italienischen Halbinsel entfernt; dazwischen liegt das Tyrrhenische Meer. Im Norden liegt das zu Frankreich gehörende Korsika, nur durch die 12 km breite Straße von Bonifacio (Bocche di Bonifacio) getrennt. Im Westen liegt die 335 km entfernte, zu Spanien gehörende Baleareninsel Menorca. Im Süden liegt Tunesien 184 km entfernt.
Die Nord-Süd-Ausdehnung Sardiniens beträgt ca. 270 km, die Ost-West-Ausdehnung ca. 145 km. Die Insel Sardinien hat eine Fläche von 23.833 km² und ist damit nach Sizilien die zweitgrößte Insel Italiens und des Mittelmeers.
Zu Sardinien zählen auch etliche vorgelagerte kleinere Inseln und Inselgruppen wie der Sulcis-Archipel im Südwesten, Asinara im Nordwesten und der La-Maddalena-Archipel sowie der Tavolara-Archipel im Nordosten.
Klima Das Klima ist im Wesentlichen mediterran, mit warmem Frühling und Herbst, heißem Sommer und mildem Winter.
Winde (für die Herkunft der Bezeichnungen auf der Windrose) Tramontana – Nord-Wind: tritt häufig mit sehr starken Böen und Regen auf. Kann sowohl bei stabiler Schönwetterlage als auch bei wolkenverhangenem Himmel auftreten. In den meisten Fällen kommt es zu kurzfristigen Temperaturstürzen. Greco – Nordost-Wind: kalter, meist böiger Wind, der häufig in Tiefdruckgebieten auftritt. Levante – Ost-Wind: leichter, warmer Wind, der in der Regel auf den Mistral (Maestrale) folgt und den starken Scirocco ankündigt. Er entsteht in der Sahara. Scirocco – Südost(Süd)-Wind: heißer Wind, der aus Südosten bzw. häufig auch aus Süden weht. Er kann besonders in den Sommermonaten sehr heiß sein und hohe Luftfeuchtigkeit erzeugen. Vereinzelt weht er auch Saharasand nach Sardinien. Ostro – Süd-Wind: ähnelt dem Scirocco, nur in abgeschwächter Form und ohne Saharasand. Libeccio – Südwest-Wind: im Winter leichter Wind, der Regen und Gewitter mitbringen kann. Im Sommer starker Wind, der starke Böen entwickelt und gewöhnlich zu hohem Seegang führt. Ponente – West-Wind: schwacher Wind, der in der Regel im Sommer auftritt und für klaren Himmel sorgt. Maestrale – Nordwest-Wind: stürmischer Wind, der meistens im Frühling und Herbst auftritt. Sorgt für kaltes, aber sonniges Wetter.
Politik Die Autonome Region Sardinien (sardisch Regione Autònoma de Sardigna, italienisch Regione Autonoma della Sardegna) ist eine der 20 Regionen der Italienischen Republik. Präsidentin der Region Sardinien ist seit März 2024 Alessandra Todde (M5S).
Verwaltungsgliederung Die autonome Region Sardinien war politisch lange in drei Provinzen unterteilt: Cagliari, Sassari und Nuoro. 1974 wurde die Provinz Oristano gebildet. Ab den 2000er Jahren gab es dann mehrere Gebietskörperschaftsreformen. 2001 wurden die Provinzen Olbia-Tempio, Ogliastra, Carbonia-Iglesias und Medio Campidano geschaffen, so dass die Region in 8 Provinzen aufgeteilt war. 2016 wurde die Gebietskörperschaften wieder auf die vier Provinzen Oristano, Nuoro, Sassari und Sud Sardegna und die Metropolitanstadt Cagliari reduziert. 2021 wurde Sardinien erneut in sechs Provinzen und zwei Metropolitanstädte unterteilt. Gegen diese Neueinteilung klagte 2021 die italienische Regierung. Der italienische Verfassungsgerichtshof wies die Klage jedoch 2022 ab. Mit der Auflösung der Provinz Sud Sardegna am 1. Juni 2025 und der Einrichtung der beiden Provinzen Medio Campidano und Sulcis Iglesiente war die 2021 von der Regionalregierung verabschiedete Reform schließlich abgeschlossen.
Die Region ist seitdem in folgende acht Gebietskörperschaften mit insgesamt 377 Gemeinden unterteilt: Metropolitanstadt Cagliari, Metropolitanstadt Sassari, Provinz Gallura Nord-Est Sardegna, Provinz Medio Campidano, Provinz Nuoro, Provinz Ogliastra, Provinz Oristano und Provinz Sulcis Iglesiente.
Gebiete mini|hochkant|Die historischen Landschaften Sardiniens
Die Insel ist in Gebiete (Landschaften) eingeteilt, die sich durch Gebirge oder Ebenen ergeben.
Größte Gemeinden Stadt Einwohnerzahl Cagliari Sassari Quartu Sant’Elena Olbia Alghero Nuoro Oristano Selargius Carbonia Assemini Iglesias
Küsten mini|Abschnitt der Costa Smeralda mit Blick Richtung Südosten auf die Landzunge Petra Ruja, Halbinsel Golfo Aranci und Isola Tavolara
Einschließlich der kleinen vorgelagerten Inseln erreicht Sardinien eine Küstenlänge von 1848,6 Kilometern. Einige Küstenabschnitte haben bekannte Namen: Costa Smeralda – Costa Rei – Costa Verde – Costa Paradiso – Costa del Sud.
Flüsse Die längsten Flüsse Sardiniens sind der bei Oristano an der Westküste mündende Tirso mit 150 km Länge, der Coghinas mit 123 km, der an der südlichen Ostküste ins Meer mündende Flumendosa mit 122 km und der bei Bosa mündende sechs bis acht Kilometer lange schiffbare Temo.
Berge Hügel- und Berglandschaften prägen mehr als vier Fünftel der Insel. Das felsige Hochland nimmt eine Fläche von 16.352 km² ein, die Berge 3.287 km² (also 14 % des Territoriums).
Die höchsten Berge sind mit die Punta La Marmora und mit der Bruncu Spina im zentral gelegenen Gebirge Gennargentu. Nordöstlich davon liegt Supramonte, der mit bis zu zweithöchste Gebirgszug der Insel. Im Norden dominiert der mit der Punta Balistreri in kulminierende Monte Limbara. Im Süden findet sich die älteste geologische Formation Sardiniens, die Monti del Sulcis.
Im Südteil gibt es viele verlassene Minen mit ehemals Gold-, Silber- und Eisenvorkommen.
Inseln mini|San Pietro
Der Hauptinsel Sardinien sind zahlreiche Inseln vorgelagert:
Fauna Sardinien gilt als Naturreservat, in dem tausende seltener Tier- und Pflanzenarten unter Schutz gestellt sind.
Säugetiere mini|Tyrrhenischer Rothirsch Auswahl bisher bekannter Säugetierarten: Tyrrhenischer Rothirsch (Cervus elaphus corsicanus) Damhirsch (Dama dama) Mufflon (Ovis musimon) Sardisches Langohr (Plecotus sardus) Wildschwein (Sus scrofa meridionalis) Giarapony
Vögel mini|Weidensperling Auswahl bisher bekannter Vogelarten: Zwergohreule (Otus scops) Weidensperling (Passer hispaniolensis) Moschusente (Cairina moschata) Stelzenläufer (Himantopus himantopus) Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus) Sardengrasmücke (Curruca sarda)
Amphibien mini|Tyrrhenischer Laubfrosch
Auswahl bisher bekannter Amphibienarten: Sardischer Gebirgsmolch (Euproctus platycephalus) Sàrrabus-Höhlensalamander (Speleomantes sarrabusensis) Duftender Höhlensalamander (Speleomantes imperialis) Syn.: Südost-Sardischer Höhlensalamander (Hydromantes imperialis) West-Sardischer Höhlensalamander (Hydromantes genei) Nordost-Sardischer Höhlensalamander (Hydromantes flavus) Mittelost-Sardischer Höhlensalamander (Hydromantes supramontis) Sardischer Scheibenzüngler (Discoglossus sardus) Wechselkröte (Bufo viridis) Tyrrhenischer Laubfrosch (Hyla sarda)
Reptilien mini|Sardische Breitrandschildkröte mini|Tyrrhenische Mauereidechse Auswahl bisher bekannter Reptilienarten: Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) Breitrandschildkröte (Testudo marginata) Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) Europäischer Halbfinger (Hemidactylus turcicus) Europäischer Blattfinger (Phyllodactylus europaeus) Mauergecko (Tarentola mauritanica) Zwerg-Kieleidechse (Algyroides fizingeri) Tyrrhenische Gebirgseidechse (Archaeolacerta bedriagae) Ruineneidechse (Podarcis sicula) Tyrrhenische Mauereidechse (Podarcis tiliguerta) Gefleckter Walzenskink (Calcides ocellatus) Erzschleiche (Calcides calcides) Hufeisennatter (Coluber hippocrepis) Gelbgrüne Zornnatter (Hierophis viridiflavus) Äskulapnatter (Zamenis [Elaphe] longissimus) Ringelnatter (Natrix natrix) Vipernatter (Natrix maura)
Insekten Auswahl bisher bekannter Insektenarten: Ochrilidia nuragica (Endemit) Sardische Steinschrecke (Pamphagus sardeus) (Endemit)
Transport und Verkehr mini|Flughafen Olbia, General Aviation Terminal mini|hochkant|links|Eisenbahnstrecken: Rot: Italienische Staatsbahn; Blau, Lila und Grün: Ferrovie della Sardegna; (stillgelegte Strecken gelb) mini|Sardinien ist die einzige Region Italiens ohne Autobahn: Es gibt öffentliche und gebührenfreie Schnellstraßen, die die wichtigsten Städte verbinden und von denen Nebenstraßen in alle Ortschaften abzweigen. Neben den Eisenbahnen der Ferrovie dello Stato Italiane gibt es mehrere schmalspurige Regionalstrecken der Ferrovie della Sardegna sowie deren Tourismusprojekt unter ihrer volkstümlichen Bezeichnung Trenino Verde u. a. zwischen Bosa Marina – Macomer und Arbatax – Mandas. Die Elektrifizierung der Strecken der Ferrovie dello Stato wurde – abweichend von den elektrifizierten Strecken auf dem Festland und Sizilien mit Einphasenwechselstrom 25 kV/50 Hz – begonnen, allerdings nach kurzer Bauzeit wieder eingestellt.
Der öffentliche Überlandverkehr besteht aber vor allem aus einem engmaschigen Netz an Überlandbusverbindungen, die von verschiedenen Gesellschaften bedient werden. Im Jahr 2016 lag der Motorisierungsgrad (Personenkraftwagen pro 1000 Einwohner) bei 619.Archive:Verkehrsstatistiken auf regionaler Ebene. In: ec.europa.eu, März 2019.
Neben den Verkehrsflughäfen von Cagliari, Olbia und Alghero gibt es auf Sardinien noch zivile Flugplätze bei Oristano (Fenosu) und Arbatax (Tortolì). Von den beiden letzteren aus findet oder fand zeitweise kein Flugbetrieb mehr statt.
Wenige Kilometer nordwestlich des Flughafens Cagliari befindet sich der Militärflugplatz Decimomannu, den auch die NATO-Streitkräfte nutzen, darunter bis 2016 die deutsche Luftwaffe (Taktisches Ausbildungskommando der Luftwaffe in Italien – TaktAusbKdoLwIT (aufgelöst)). In Salto di Quirra an der Ostküste Sardiniens gibt es einen Startplatz für militärische Raketen und für Raketen zur Erforschung der Hochatmosphäre.
Wappen mini|hochkant|Armorial Gelre (Folie 62r) mit der Darstellung der Flagge Sardiniens