Das Département du Bas-Rhin [] (deutsch meist Departement Unterelsass, historisch auch Niederrhein oder Unterrhein) ist das französische Département mit der Ordnungsnummer 67. Es liegt im Nordosten des Landes in der Region Grand Est. Gemeinsam mit dem Département du Haut-Rhin bildet es die Europäische Gebietskörperschaft Elsass. Seit deren Gründung Anfang 2021 dient das Département nur noch als Verwaltungsbezirk des französischen Staats, ist aber keine Gebietskörperschaft mit eigenen Rechten und Organen mehr. Die Namen beider elsässischen Départements ergeben sich aus dem Lauf des Rheins in Frankreich, der dessen Staatsgrenze zu Deutschland bildet.

Laut einer Umfrage im Jahr 2013 beherrschten 46 % der Einwohner noch einen alemannischen bzw. fränkischen Dialekt, mehr als in den Nachbardépartements Haut-Rhin und Moselle.Etude sur le dialecte alsacien. Aufgerufen am 4. Februar 2014

Geographie Das Département grenzt im Norden an das Bundesland Rheinland-Pfalz, im Osten an das Bundesland Baden-Württemberg, im Süden an das Département Haut-Rhin, im Südwesten an die Départements Vosges und Meurthe-et-Moselle sowie im Westen an das Département Moselle.

Das Département liegt im Norden des Elsass. Die östliche Grenze des Départements bildet der Rhein, im Westen ziehen sich die nördlichen Ausläufer der Vogesen durch das Departement. Im Norden grenzt es an den Pfälzerwald sowie an die Lauter.

Geschichte Gründung und ältere Geschichte Das Département wurde während der französischen Revolution am 4. März 1790 aus dem nördlichen Teil der bis dahin bestehenden Provinz Alsace gebildet. Es untergliederte sich in die vier Distrikte (französisch districts) Haguenau, Benfeld, Strasbourg und Wissembourg, den Vorläufern der Arrondissements. Das Département und die Distrikte untergliederten sich in 32 Kantone und hatten etwa 400.000 Einwohner. Hauptstadt war bereits damals Straßburg.

Nach der Annexion der Grafschaft Saarwerden durch Frankreich 1794 (heute Alsace bossue/Krummes Elsass) wurde als fünfter Distrikt Sarre-Union gegründet. Aus dem Distrikt Benfeld wurde der Distrikt Schlettstadt.

Die Arrondissements (dt. Gemeindebezirke) Barr (anstelle von Schlettstadt), Saverne (anstelle von Sarre-Union), Strasbourg und Wissembourg wurden am 17. Februar 1800 eingerichtet. Am 10. Februar 1806 wurde Barr wieder durch Schlettstadt ersetzt.

1809 folgten 63 bzw. 66 Familien, die überwiegend aus der durch die Napoleonischen Kriege verheerten Südpfalz stammten, der Einladung von Kaiser aller Reussen Alexander I. und wanderten nach Russland aus, wo sie die Mutterkolonie Landau gründeten. Die meisten Familien der Elsässer kamen aus dem Kanton Weißenburg, die Pfälzer aus den heutigen Kreisen Germersheim, Bergzabern, Landau und Pirmasens.

1797 wurden linksrheinische Gebiete zu französischen Départements, die Südpfalz bis zum Fluss Queich wurde dem Bas-Rhin zugeteilt, nördlich davon das neue Département Mont-Tonnere und andere . Durch den Wiener Kongress 1815 wurden diese Gebiete wieder deutsch, das Département Bas-Rhin verlor seinen nördlichen Teil.

Bezirk Unterelsaß im Deutschen Kaiserreich

mini|Bezirk Unterelsaß 1890

Vom 10. Mai 1871 (Friede von Frankfurt) bis zum 28. Juni 1919 (Friedensvertrag von Versailles) war das Département Teil des Deutschen Kaiserreiches. Als Bezirk Unterelsaß gehörte es zum Reichsland Elsaß-Lothringen. Der Bezirk untergliederte sich in die acht Kreise Erstein, Hagenau, Molsheim, Schlettstadt, Straßburg (Stadt), Straßburg (Land), Weißenburg (wie gehabt) und Zabern (wie gehabt). Der Bezirk umfasste 4.778 km² und hatte 1885 612.077 Einwohner.

An der Spitze des Bezirks stand ein Bezirkspräsident. Bezirkspräsidenten waren:

Präsident Amtszeit Friedrich von Luxburg 1870–1871 (komm.) Adolf Ernst von Ernsthausen 1871–1875 Karl Ledderhose 1875–1880 Otto Back 1880–1886 Joseph Philipp von Stichaner 1886–1889 Julius von Freyberg-Eisenberg 1889–1898 Alexander Halm 1898–1907 Otto Pöhlmann 1907–1918

Die Volksvertretung im Bezirk war der Bezirkstag. Dieser wählte 10 Mitglieder (ab 1879: 13) in den Landesausschuss des Reichslandes Elsaß-Lothringen, bis 1911 mit der Verfassung der Landtag des Reichslandes Elsaß-Lothringen eingerichtet wurde.

Seit Ende des Ersten Weltkriegs mini|255px|Karte von Bas-Rhin mit Arrondissements (1974–2014)

Nachdem das Deutsche Reich den Ersten Weltkrieg verloren hatte, wurde der Bezirk Unterelsaß wieder französisch. Von der französischen Republik wurde die Untergliederung in Kreise (= Arrondissements) komplett übernommen. Der Kreis Zabern wurde zum Arrondissement Saverne, Straßburg (Stadt) zu Strasbourg-Ville, Straßburg (Land) zu Strasbourg-Campagne und Schlettstadt zu Sélestat.

Die Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin waren im Frühjahr 2020 die am stärksten von der COVID-19-Pandemie betroffenen Départements in Frankreich.FAZ.net vom 18. März 2020: Es gibt keine Covid-19-Betten mehr

Gliederung 1974 bis 2014 Am 24. Mai 1974 wurden die Arrondissements Erstein und Sélestat zu Sélestat-Erstein mit dem Verwaltungssitz Sélestat zusammengelegt. Das Département Bas-Rhin gliederte sich seitdem bis zum 31. Dezember 2014 in 7 Arrondissements, 44 Kantone und 527 Gemeinden.

Zum 1. Januar 2015 wurden die Arrondissements Haguenau und Wissembourg zu Haguenau-Wissembourg mit dem Verwaltungssitz Haguenau zusammengelegt. Strasbourg-Ville und Strasbourg-Campagne wurden zum Arrondissement Strasbourg vereinigt. Die Arrondissements wurden neu zugeschnitten, nur Sélestat-Erstein blieb unverändert.

Arrondissement(1974–2014) Einwohner() Fläche(km²) Bev.-Dichte(Einw./km²) Kantone Gemeinden Haguenau 666 3 56 Molsheim 745 5 69 Saverne 1.003 6 128 Sélestat-Erstein 981 7 101 Strasbourg-Campagne 684 8 104 Strasbourg-Ville 78 10 1 Wissembourg 598 5 68

Von 1960 bis 2015 bildete das Elsass eine eigene Region, seither gehört das Département zur Region Grand Est.

Städte Die bevölkerungsreichsten Gemeinden des Départements sind:

Stadt Einwohner () Arrondissement Strasbourg (Straßburg) Strasbourg Haguenau (Hagenau) Haguenau-Wissembourg Schiltigheim Strasbourg Illkirch-Graffenstaden (Illkirch-Grafenstaden) Sélestat (Schlettstadt) Sélestat-Erstein Lingolsheim Strasbourg Bischheim Ostwald Bischwiller (Bischweiler) Haguenau-Wissembourg Hœnheim (Hönheim) Strasbourg

Verwaltungsgliederung 280px|mini|Gemeinden und Arrondissemente im Département Bas-Rhin

Das Département Bas-Rhin gliedert sich in 5 ArrondissementsBis auf Sélestat-Erstein wurden alle Arrondissements neu zugeschnitten., 23 Kantone und 514 Gemeinden:

Siehe auch: Liste der Gemeinden im Département Bas-Rhin Liste der Kantone im Département Bas-Rhin Liste der Gemeindeverbände im Département Bas-Rhin

Persönlichkeiten Senatoren des Départementes Bas-Rhin Senatoren des Départementes Bas-Rhin waren bzw. sind:

Wahldauer Name Partei 1920–1928 Lazare Weiller 1920–1936 Michel Diebolt-Weber 1920–1936 Frédéric Eccard Parti démocratique républicain du Bas-Rhin 1920–1927 Nicolas Delsor 1920–1927 Émile Taufflieb 1927–1940 Jean de Leusse 1927–1940 Eugène Müller 1928–1940 Hubert Franz Maria von Andlau-Homburg Union républicaine 1935–1940 Jean-Jacques Urban Union républicaine 1936–1940 Joseph Sigrist 1940–1945 Während der Besatzungszeit gab es keine Senatoren 1946–1947 Alfred Oberkirch 1946–1952 Alfred Westphal 1947–1950 Albert Ehm MRP 1948–1958 René Radius 1948–1959 Robert Hoeffel 1950–1952 Alfred Wehrung 1952–1958 Ernest Koessler 1958 Jean-Philippe Bapst 1959–1995 Louis Jung 1959–1977 Michel Kauffmann 1959–1976 Michel Kistler 1959–1968 Paul Wach 1968–1977 Alfred Kieffer 1976–1977 Armand Kientzi 1977–1991 Paul Kauss 1977–1992 Marcel Rudloff 1978–1981 Jean-Paul Hammann 1992 André Traband 1992–2004 Philippe Richert 1993–1995 Jean-Paul Hammann 1995–2004 Daniel Hoeffel 1996–2004 Joseph Ostermann 2004–2014 Roland Ries PS 2004–2014 Esther Sittler UMP 2005–2010 Philippe Richert 2005–2014 Francis Grignon UMP 2005–2019 Fabienne Keller UMP 2014–2020 Jacques Bigot PS 2014–2020 Guy-Dominique Kennel UMP2019–2020Esther SittlerLR 2010–heute André Reichardt LR 2014–heute Claude Kern UDI2020–heuteJacques FerniqueEELV2020-heuteElsa SchalckLR2020-heuteLaurence Muller-BronnLR

Wappen Blasonierung: In Rot ein weißer Schrägrechtsbalken mit einem Lilienmäander beidseitig.

Weblinks

Département Bas-Rhin (französisch, deutsch tlw., englisch tlw.) Präfektur des Départements Bas-Rhin (französisch)

Tourismus im Département Bas-Rhin (französisch-deutsch-englisch) Historische Karte (als digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)

Fußnoten

Basrhin

Basrhin BasRhin