mini|Kammerstein von Westen

Kammerstein (fränkisch: KammaschdahE. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 34. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „khámɒschdā“.) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Roth.

Geographie Lage Die Ortschaft Kammerstein liegt fünf Kilometer südwestlich von Schwabach unterhalb eines westlichen Ausläufers des Heidenberges auf eine Höhe von . Die Gemeinde liegt in etwa auf halbem Weg zwischen der Stadt Nürnberg und dem Fränkischen Seenland.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind von Norden aus im Uhrzeigersinn: Rohr, Schwabach, Büchenbach, Abenberg und Windsbach. Zwischen Kammerstein und Büchenbach befindet sich das 3,2 km² große gemeindefreie Gebiet Heidenberg in der Gemarkung Ottersdorf.

Gemeindegliederung Die Gemeinde hat 16 Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und die Einwohnerzahlen angegeben):. Dort 17 Gemeindeteile angegeben, da Chausseehaus noch als Gemeindeteil geführt wird.

Chausseehaus bei Günzersreuth ist mittlerweile zur Wüstung geworden.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Barthelmesaurach, Günzersreuth (Gemarkungsteil 1), Kammerstein und Unterreichenbach (Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Kammerstein hat eine Fläche von 10,962 km². Sie ist in 1435 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7638,68 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Albersreuth, Haag und Schattenhof.

Geschichte

Kammerstein im Mittelalter Im Jahr 1235, als Kaiser Friedrich II. aus Italien nach Deutschland kam, nannte sich der Reichsministeriale Ramungus (I.) nach der auf königlichem Gut gelegenen Burg Kammerstein „Ramungus de Kamerstein“. Dies ist zugleich die erste urkundliche Erwähnung des Ortes.

Das Bestimmungswort des Ortsnamens kamere, kamer (mittelhochdeutsch) bezeichnet ein Kammergut.E. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 34 f.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 114 f.

Offenbar war die Burg als neuer Sitz für die Verwaltung des Schwabacher Königsguts erbaut worden. Zwischen 1220 und 1230 wurde die Burg zum Schutz der Stadt Schwabach und der das Gebiet des Heidenbergs durchziehenden drei Reichsstraßen ausgebaut.

1241 wurde Ramungus Landrichter in Eger und damit ranggleich mit dem Nürnberger Reichsbutigler. Er starb um 1260 im Alter von etwa 70 Jahren. Auf einer kleinen Anhöhe () hinterließ er eine bedeutende Reichsburg. Diese hatte durch ihre exponierte Lage eine direkte Sichtverbindung sowohl nach Schwabach als auch zur Burg Abenberg, damit der damals wichtige Handelsweg von Schwabach nach Windsbach kontrolliert werden konnte.

Am 16. Oktober 1259 trat erstmals Ramungus II. von Kammerstein auf, als er burggräfliche Lehen annahm und hierüber auch burggräflicher Ministeriale wurde. Nach dessen Verzicht auf den Besitzkomplex Kammerstein brachte Herzog Ludwig II. von Bayern 1292/1294 die Burg Kammerstein mit den zugehörigen Reichsgütern in seine Gewalt. Ab 1294 verwaltete der Nürnberger Landrichter, Ritter Herdegen von Gründlach, diese Güter für das Reich. 1299 wurde die Burg Kammerstein dem Grafen Emicho von Nassau verpfändet.

1364 verkauften die Grafen von Nassau Ort und Burg Kammerstein an den Nürnberger Burggrafen Friedrich V. von Hohenzollern. Von 1374 bis ins Jahr 1404 war Kammerstein zusammen mit dem Amt und der Stadt Schwabach als Heiratsgut der Burggrafentochter Elisabeth an Ruprecht III. Pfalzgraf bei Rhein verpfändet.

1404 wurde auch der Ritter Hans von Hausen als Besitzer genannt, der auch Besitzungen in Rittersbach hatte.Ritter von Hausen 1404 Nachdem die Hohenzollern die Burggrafschaft Nürnberg im Jahre 1427 an die Stadt Nürnberg verkauft hatten, wurde Kammerstein ein Teil des Hohenzollerschen Markgrafentums Brandenburg-Ansbach.

Im Bayerischen Krieg wurde die Burg 1461 nach 17-monatiger Belagerung durch Truppen Herzog Ludwigs IX. von Bayern zerstört und anschließend nur teilweise wieder aufgebaut. Der markgräfliche Pfleger verlegte daraufhin seinen Amtssitz in die Stadt Schwabach. Vor Ort blieb ein Amtmann, der jedoch nur noch mit der Verwaltung der Burg und des Ortes Kammerstein betraut war. In der Folgezeit diente Kammerstein den Markgrafen zunächst als Jagdsitz für die ausgedehnten Waldungen um den Heidenberg, bis 1537 Schloss Ratibor in Roth fertiggestellt war. Nach der Abberufung des letzten Amtmannes im Jahre 1563 verfiel die damit funktionslose Burg immer mehr. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie dann weiter zerstört. Ab Pfleger Ab Pfleger / Amtmann Ab Amtmann Ab Amtmann 1329 Marquard von Abenberg 1410 Konrad Geuder 1473 Herr von Lidwach 1523 Wolf Linck von Hausen 1335 Ortolf von Kammerstein 1420 Georg Geuder 1486 Wilhelm von Adelmannsfelden 1532 Fritz von Lidwach 1340 Otto von Kipfenberg 1433 Heinrich Geuder 1506 Balthasar Wolfstein zu Viehausen 1536 Lorenz Staiber 1347 Konrad der Pfefferbalg 1447 Hilpolt von Seckendorff 1511 Martin von Schönberg 1542 Christoph von Eyb 1349 Heinrich von Weitersdorf 1451 Fritz Schenk von Geyern 1522 Georg von Rosenberg 1543 Adam von Wolfstein 1407 Wirich von Treuchtlingen 1463 Ritter Hans von Wallenrod 1523 Kaspar von Castell 1560 Peter Pröll

Quelle: Aus der Ruine wurden die Steine herausgebrochen und am Nordhang des Bergs wurde ein Steinbruch angelegt. Als der noch stehende, inzwischen von einem Blitz beschädigte Bergfried diesem im Wege stand, entschloss sich die Regierung in Ansbach 1782 unter Christian Friedrich Karl-Alexander für dessen Abbruch, um die weitere Nutzung des Steinbruchs zu ermöglichen.

Zwar sind an einigen Stellen noch Fundamente der Burg erhalten, das Wissen über die Burg beruht jedoch hauptsächlich auf spärlichen alten Federzeichnungen und Überlieferungen.Zeichnungen der ehemaligen Burganlage Bestehen blieben lediglich der Friedhof und die ehemalige Schlosskapelle, der Kirche St. Georg, im östlichen Teil der früheren Burganlage.

Kammerstein in der Neuzeit mini|Feuerwehrhaus Kammerstein Gegen Ende des Heiligen Römischen Reiches (Ende des 18. Jahrhunderts) gab es in Kammerstein 24 Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Schwabach aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Kastenamt Schwabach. Grundherren waren das Kastenamt Schwabach (3 Halbhöfe, 1 Halbhof mit Tafernwirtschaft, 1 Gut mit Schmiede, 9 Köblergüter, 2 Gütlein, 7 Leerhäuser) und das St. Klara-Klosteramt der Reichsstadt Nürnberg (1 Ganzhof). Neben den Anwesen gab es herrschaftliche (Wildmeisterhaus), kommunale (Hirtenhaus, Schule) und kirchliche Gebäude (Pfarrkirche, Pfarrhof).F. Eigler: Schwabach, S. 399.

Kammerstein wurde wie das Fürstentum Ansbach ab 1792 von Preußen verwaltet. An den Besitzverhältnissen hatte sich nichts verändert.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 1, Sp. 526. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Schwabach.

Als Teil des Fürstentums fiel der Ort mit dem Pariser Vertrag (Februar 1806) an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Kammerstein gebildet, zu dem Albersreuth, Chausseehaus, Forsthof, Haag, Schattenhof und Uigenau gehörten. 1818 entstand die Ruralgemeinde Kammerstein, die außer dem ChausseehausDas Chausseehaus gehörte seit 1818 zum Steuerdistrikt und zur Ruralgemeinde Günzersreuth. deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Schwabach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Schwabach (1919 in Finanzamt Schwabach umbenannt). Ab 1862 gehörte Kammerstein zum Bezirksamt Schwabach (1939 in Landkreis Schwabach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Schwabach (1879 in Amtsgericht Schwabach umbenannt).F. Eigler: Schwabach, S. 475. Im Jahr 1875 wurde die Schreibweise der Gemeinde von Cammerstein amtlich in Kammerstein geändert. Am 15. November 1924 wurden Forsthof und Uigenau nach Schwabach umgemeindet. Dadurch verringerte sich die Fläche des Gemeindegebiets von 15,247 auf 10,969 km².

Historische Einwohnerstatistik Gemeinde Kammerstein (jeweiliger Gebietsstand) Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 Einwohner 454 508 545 580 549 542 529 561 576 556 540 564 541 579 576 415 404 384 544 536 677 682 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2016 als Wohngebäude. 78 100 96 101 101 105 79 83 126 Quelle Für die Gemeinde Kammerstein zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Albersreuth (S. 4), Forsthof (S. 26), Haag (S. 34), Schattenhof (S. 80) und Uigenau (S. 93).

Ort Kammerstein Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 193 231 282 234 235 224 208 252 248 272 297Häuser 35 46 43 42 40 40 47 82Quelle

Eingemeindungen Am 1. Januar 1972 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern ein Teil der aufgelösten Gemeinde Günzersreuth eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen die Gemeinden Barthelmesaurach und Volkersgau dazu. Letztere war am 20. Februar 1960 aus Gebietsteilen der ehemaligen Gemeinde Unterreichenbach gebildet worden und hatte am 9. Juni 1960 amtlich den Namen Volkersgau erhalten.

Kammerstein heute Von 1978 bis 1997 war die Gemeinde Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Schwabachtal.

Am 24. November 2002 sprachen Bürgermeister Walter Schnell und Vertreter der Kirchen eine offizielle moralische Rehabilitation der als Hexe verurteilten Ottilia Kuenin aus Kammerstein aus.

Einwohnerentwicklung

Dargestellt wird hier die summarische Entwicklung der Hauptwohnsitze aller heutiger Ortsteile Kammersteins. Zwischen 1987 und 2024 wuchs die Einwohnerzahl der Gemeinde Kammerstein von 2.266 auf 3.050 um 784 Einwohner bzw. um 34,6 %.

Quelle: 1840–2015 / 2020–2024

Konfessionsstatistik Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung nimmt ab. Mit Stand 31. Dezember 2024 waren 48 % der Einwohner evangelisch, 16 % katholisch, und 36 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Kammerstein Bürgerversammlung Konfessionrn in der Gemeinde, abgerufen am 10. Mai 2025. Mit Stand November 2023 war noch eine absolute Mehrheit der Bevölkerung evangelisch.

Gebäudeverteilung Gebäude- und Wohnungsbestand am 31.12.2024Anzahl der Wohngebäude968Anteil der Gebäude mit 1 Wohnung73,9 %Anteil der Gebäude mit 2 Wohnungen20,7 %Anteil der Gebäude mit 3 oder mehr Wohnungen5,5 %Anzahl der Wohnungen in Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden1.349Durchschnitt Einwohner je Wohnung2,26Durchschnittl. Wohnfläche je Wohnung129,3 m²

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus 16 Mitgliedern und dem ersten Bürgermeister: CSU SPD BL * UWG ** FW Gesamt 2026 4 2 3 2 5 16 Sitze 2020 5 2 3 1 5 16 Sitze .* (BL) Kammersteiner Bürgerliste

.** (UWG) Unabhängige Wählergemeinschaft Kammerstein

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit Mai 2026 Roland Ammon (parteilos). Seine Vorgänger waren von Mai 1996 bis April 2020 Walter Schnell (Freie Wähler) und von Mai 2020 bis April 2026 Wolfram Göll (CSU). Zweiter Bürgermeister ist Christian Böhm (FW) und Dritter Bürgermeister Andreas Lippert (CSU).

Wappen und Flagge mini|alt=|Rathaus von Kammerstein Wappen

Flagge Die Gemeinde hat eine schwarz-weiße Gemeindeflagge.

Gemeindepartnerschaften Kammerstein unterhält seit dem 17. Mai 1986 eine Gemeindepartnerschaft mit dem Stadtteil Quinzano, Provinz Verona, Region Venetien (Italien). abgerufen auf www.stmi.bayern.de am 6. März 2014 (PDF; 56 kB)

Am 28. August 2011 wurde mit der Gemeinde Petrovac-Drinić in Bosnien und Herzegowina eine weitere Partnerschaft geschlossen.Fröhliches Lachen und glückliche Gesichter in Petrovac-Drinić abgerufen auf www.nordbayern.de am 6. März 2014

Kommunale Allianz KABS