mini|hochkant| Hans Schweiger
Hans Schweiger (* 27. März 1951 in Riedenburg; † 27. Dezember 2024) war ein deutscher Gefäßchirurg. Er leitete von 1995 bis 2012 die Klinik für Gefäßchirurgie an der Herz- und Gefäß-Klinik Bad Neustadt (Rhön-Klinikum) und war 2001/2002 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG). Öffentlich setzte er sich für die Senkung vermeidbarer Beinamputationen bei Diabetikern ein. Zu seinen bleibenden Beiträgen zählt auch die Entwicklung der Zusatzqualifikation „Gefäßassistent/in (DGG)“ für medizinische Assistenzberufe und deren institutionelle Verankerung.
Leben Schweiger wuchs in Riedenburg auf. Von 1957 bis 1961 besuchte er die Volksschulen in Riedenburg und Fürstenstein, anschließend das Humanistische Gymnasium und Internat des Benediktinerklosters Scheyern (1961–1969) sowie 1969/1970 das Humanistische Gymnasium und Internat des Maristenklosters Fürstenzell, wo er 1970 das Abitur ablegte. Von 1970 bis 1976 studierte er Humanmedizin in Regensburg (Vorklinik) und München (Klinikum rechts der Isar). 1976 bestand er das Staatsexamen in München und wurde im selben Jahr promoviert (Titel der Doktorarbeit: '”Die Therapie des Mammakarzinoms. Klassifikation-therapeutische Maßnahmenprognose. Statistische Auswertung des Krankengutes der Chirurgischen Klinik rechts der Isar der Technischen Universität München von 1969 bis 1973'”).
Nach Tätigkeiten als Medizinalassistent/Assistenzarzt am Kreiskrankenhaus Kelheim (1976–1978) und dem Wehrdienst als Stabsarzt (1978–1979) wurde er 1979 wissenschaftlicher Assistent am Institut für Biochemie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und ab 1981 wissenschaftlicher Assistent an der Chirurgischen Klinik der FAU. 1986 erhielt er die Anerkennung als Facharzt für Chirurgie und die Teilgebietsbezeichnung Gefäßchirurgie. 1987 habilitierte er sich, 1988 wurde er Privatdozent. Von 1988 bis 1995 leitete er die Abteilung für Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Erlangen. 1992 wurde er in die Kommission für Struktur-, Rechts- und Zukunftsfragen der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) berufen, 1993 zum Universitätsprofessor (C3) auf Lebenszeit ernannt.
Im Oktober 1995 übernahm Schweiger die Leitung der Klinik für Gefäßchirurgie an der Herz- und Gefäß-Klinik des Rhön-Klinikums in Bad Neustadt an der Saale, die er bis 2012 führte. 2002 wurde Schweiger zum ärztlichen Direktor des Rhön-Klinikum in Bad Neustadt ernannt; dieses Amt übte er bis 2009 aus. 2013 bis 2015 war Schweiger Job-Sharing-Partner und Honorararzt in Würzburg. Seit März 2015 lebte er im Ruhestand.
Wirken Schweigers klinische Schwerpunkte lagen in der Karotis-Chirurgie (Operationen an der Halsschlagader) und in der peripheren Bypass-Chirurgie zur Extremitätenerhaltung. Er etablierte intraoperative Überwachungs- und Kontrollmethoden zur Sicherung der zerebralen Perfusion während Karotisoperationen, initiierte Qualitätssicherungsmaßnahmen und nutzte systematische Follow-up-Erhebungen für die Auswertung von Langzeitergebnissen.
Als DGG-Präsident kritisierte er 2002 die hohe Zahl von Beinamputationen in Deutschland und forderte eine konsequente gefäßchirurgische Diagnostik und Revaskularisation vor Amputationen, insbesondere bei Diabetikerinnen und Diabetikern. Entsprechende Positionen fanden auch in der ärztlichen Fachpresse Resonanz.
Schweiger störte sich an der strikten Aufgabentrennung zwischen Pflegepersonal und Ärzteschaft, die das Tätigkeitsspektrum der Pflege aus seiner Sicht unnötig einschränkte. In Anlehnung an US-Modelle der „technical assistance“ entwarf und organisierte er Fortbildungen für Arzthelfer. Daraus entwickelte er die Zusatzqualifikation „Gefäßassistenz (DGG)“, deren institutionelle Verankerung er maßgeblich vorantrieb. Die Ausbildung wurde von der DGG organisiert; Inhalte und Ablauf der Weiterbildung entwarf Schweiger. Gefäßassistentinnen und -assistenten (DGG) unterstützen Operationen, eröffnen den Zugang für den Eingriff, legen venöse Zugänge, reinigen und verbinden Wunden sowie führen eigenständig Ultraschalluntersuchungen durch; das Konzept setzte sich auch in Österreich und der Schweiz durch. 2012 gab er die Leitung an die Fachgesellschaft ab. Für sein Engagement erhielt er 2011 die Jean-Kunlin-Medaille. Seit der Einführung der Zusatzqualifikation im Jahr 2004 haben bis 2025 mehr als 600 Personen die Qualifikation abgeschlossen.
Ämter Ärztlicher Direktor des Rhön-Klinikum, Campus Bad Neustadt (2002–2009). Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) (2001–2002).
Publikationen (Auswahl)
Auszeichnungen Jean-Kunlin-Medaille der DGG (2011).
Einzelnachweise
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