mini|Blick westwärts durch das Portal auf den Campo und auf den Campanile der Kirche, die zur Scuola Grande di San Giovanni Evangelista gehört Die Kirche San Giovanni Evangelista ist eine dem Evangelisten Johannes geweihte Kirche an der Calle del Magazzen im historischen Zentrum der Stadt Venedig, genauer im Sestiere San Polo, bei der Scuola Grande di San Giovanni Evangelista. Sie geht auf das 10. Jahrhundert zurück, verdankt ihre heutige Gestaltung allerdings überwiegend dem späten 15., vor allem aber dem 18. Jahrhundert. Der Zugang ist über den Innenhof der Scuola zu erreichen, den Campiello della Scuola, oder von Westen durch die schmale Calle de la Laca, die schmale Verbindung Richtung Palazzo Badoer.

Geschichte mini|Innenraum mini|Kapelle der Jungfrau (Cappella della Vergine) Wahrscheinlich entstand die erste Kirche am Standort der heutigen bereits um 960 durch die Familie Badoer, die auf dem dortigen Grund Güter zur Verfügung stellte, während ihr eigener Palast westlich der Kirche stand.Richard Ormond, Elaine Kilmurray, Richard H. Finnegan: John Singer Sargent. Venetian Figures and Landscapes, 1898–1913. Complete Paintings, Bd. VI, Paul Mellon Centre for Studies in British Art, Yale University Press, New Haven / London 2009, S. 212. Zunächst durften nur die Badoer ihre Angehörigen dort beisetzen. In den Quellen erscheint sie erstmals im Jahr 1187.Umberto Franzoi, Dina Di Stefano: Le chiese di Venezia, Alfieri, Venedig 1976, S. 31. Im 13. Jahrhundert gründete die Familie ein Hospiz, über das sie bis 1584 das Patronat beanspruchte.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 46 f.

Die benachbarte Scuola nutzte die Kirche ab 1301 zu ihren eigenen religiösen Versammlungen. Damit erlangte sie zugleich das Recht, ihre Angehörigen auf dem angrenzenden Friedhof beizusetzen, war aber nunmehr für den Erhalt und den Unterhalt der Kirche verantwortlich. Außerdem leistete sie für diese Rechte eine regelmäßige Abgabe an die Badoer.

1441 stellte die Scuola Grande die notwendigen Mittel für den Bau einer Kapelle bereit, die zum heutigen Presbyterium mit ihrem eleganten Rippengewölbe wurde, das mit einer Traubendekoration verziert ist. Umbauten gegen Ende des 16. Jahrhunderts führten zu einer weiteren Ausdehnung in Ost-West-Richtung und gaben dem Grundriss der Kirche mit der Öffnung der Seitenkapellen seine endgültige Form.

Im 17. Jahrhundert erfolgte eine erneute Anpassung an den Geschmack der Epoche und 1758 eine weitere, diesmal radikalere Umgestaltung nach einem Entwurf von Bernardino Maccaruzzi (um 1728 – 1798), Proto der Scuola Grande und Schüler von Giorgio Massari. Von dem gotischen Bauwerk blieben nur die Apsis und der Chor, ein Werk der Backsteingotik, erhalten. Der Grundriss wurde quadratisch und einschiffig umgestaltet. Auf der rechten Seite wurden zwei rechteckige Kapellen mit ausgeprägter Tiefe angelegt, auf der linken Seite führt eine weitere Kapelle zum Sockel des gleichfalls neu gebauten, nunmehr 30 m hohen Campanile.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 46 f. Dessen Spitze wurde im 18. Jahrhundert umgebaut. Zudem entstand unter Maccaruzzi die monumentale Struktur der cantoria, in der sich heute die Orgel befindet. Diese wurde 1760 von Giovanni Battista Piaggia gebaut und verfügt über den ursprünglichen, noch immer funktionsfähigen Balg.

Durch ein napoleonisches Dekret von 1806 wurde die Kirche, wie zahlreiche andere, in Staatsbesitz überführt. Sie wurde erst 1822 wiedereröffnet, als die Stadt seit sieben Jahren zu Österreich gehörte. Am 14. September 1881 wurde der radikale Umbau abgeschlossen. 1931 wurde die Kirche der Scuola Grande San Giovanni Evangelista zur dauerhaften Nutzung überlassen. Sie ist bis heute geweiht.

Beschreibung Die Kirche weist ein fast quadratisches einschiffiges Langhaus mit flacher Decke und einer polygonalen Apsis auf, der ein Chor vorgelagert ist, hinter dem sich rechts und links jeweils zwei kleinere Kapellen befinden. Die Südseite zeichnet sich durch zwei größere Kapellen aus, nämlich San Donato auf der linken und Lourdes auf der rechten Seite. Hinzu kommt die Sakristei, die von der Kapelle San Donato aus zugänglich ist.

Gegenüber der Apsis befindet sich die Orgel und ein Portal, das zum ehemaligen Friedhof führt, heute nach der Gründerfamilie Spazio espositivo Badoer genannt und für Ausstellungen genutzt. Zu den bedeutendsten Kunstwerken der Kirche zählt neben einem gotischen Relief mit zwei Ordensbrüdern und dem Reliquiar (Säule an der rechten Wand des Chors) eine Kreuzigung von Domenico Tintoretto an der rechten Wand des Chors, dann die Krönung der Jungfrau Maria von Andrea Vicentino, in der Kapelle rechts vom Chor und Tre momenti della passione von Lambert Sustris (in der Sakristei).

Literatur Emmanuele Antonio Cicogna: Breve notizia intorno alla origine della Confraternità di S. Giovanni Evangelista in Venezia, Venedig 1855. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 371–375. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 369 f., n. C („S. Giovanni Vangelista, Layenpriorat“). (Digitalisat)

Weblinks

Arte e architettura, Website der Scuola Grande di San Giovanni Evangelista

Anmerkungen

Giovanni Evangelista Giovanni Evangelista Kategorie:Johannes-der-Evangelist-Kirche Giovanni Evangelista Kategorie:Gotische Kirche Giovanni Evangelista Kategorie:Gotischer Backsteinbau in Italien Kategorie:Kirchengebäude der Renaissance Giovanni Evangelista Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert Kategorie:Ersterwähnung 1187 Kategorie:Kirchengebäude in Europa